Metastasen beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom

Bei ca. 30 % der Patienten mit Nierenkrebs haben sich zum Zeitpunkt der Diagnose schon Tumorabsiedlungen im Körper gebildet. Verschiedene Behandlungen können Beschwerden lindern bzw. Komplikationen vermeiden.

Metastasen beim fortgeschrittenen NierenzellkarzinomBeim Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom) können sich, wie bei vielen anderen Krebserkrankungen auch, Tochtergeschwülste (Metastasen) entwickeln. Dabei verbreiten sich die Krebszellen des ursprünglichen Tumors über das Blut oder die Lymphe im Körper, setzen sich an bestimmten Stellen fest und bilden dort weitere Geschwülste [2].

Etwa 20-30 % aller Patienten, die unter einem Nierenkrebs leiden, haben zu dem Zeitpunkt, an dem die Krankheit entdeckt wird, bereits Metastasen gebildet [1]. Solche Tumorabsiedlungen können aber auch noch Monate oder Jahre nach der Diagnose und Behandlung der Krankheit auftreten [2].

Metastasen des Nierenkarzinoms entstehen bevorzugt in bestimmten Organen

Das Nierenzellkarzinom hat grundsätzlich die Fähigkeit, überall im Körper zu metastasieren. Es gibt jedoch Organe, in denen besonders häufig Tochtergeschwülste gefunden werden: [2]

Organ Häufigkeit der Metastasen
Lunge sehr häufig
Knochen häufig
Lymphknoten häufig
Leber häufig
zweite Niere weniger häufig
Zentralnervensystem/Gehirn      selten
Herz selten

Zwei Formen der Behandlung von Metastasen

Für die Behandlung von Metastasen des Nierenzellkarzinoms gibt es zwei Ansätze:

  • Bei der lokalen Therapie, d. h. der Behandlung direkt am Bildungsort, wird die Tochtergeschwulst chirurgisch entfernt oder durch Bestrahlung zerstört.
  • Zur medikamentösen Therapie werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt, die über den Blutstrom zu den Metastasen gelangen und dort die Krebszellen bekämpfen. Da die Medikamente nicht nur den Tumor, sondern alle Gewebe des Körpers erreichen, wird diese Form der Behandlung auch als systemische Therapie bezeichnet.

Welche Therapien zum Einsatz kommen, hängt von der Lage und dem Ausmaß der Tumorabsiedlung und von patientenbezogenen Faktoren wie Alter, Begleiterkrankungen oder Nierenfunktion ab. [2]

Lokale Therapie

Bei einem Teil der Patienten ist die chirurgische Entfernung der Tochtergeschwülste möglich und sinnvoll. Hierdurch können Beschwerden gelindert werden. So kommt bei Knochenmetastasen eine Operation vor allem dann infrage, wenn ein Knochen aufgrund der Geschwulst gebrochen ist oder zu brechen droht. Durch die Entfernung von Hirnmetastasen lassen sich der angestiegene Hirndruck und die damit verbundenen Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kontrollieren. Können alle Metastasen vollständig entfernt werden, ist auch eine Heilung der Krankheit denkbar. [2]

Um eine Operation durchführen zu können, müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So sollten beispielsweise die Metastasen nicht zu groß sein und dürfen nur an Stellen sitzen, die gut erreicht werden können. Ob die chirurgische Entfernung infrage kommt, muss daher im Einzelfall geklärt werden. [2]

Neben der Operation gibt es auch die Möglichkeit, einzelne, kleine Metastasen mithilfe der sogenannten Radiochirurgie lokal zu behandeln. Dabei werden die Geschwülste mit einer hohen Strahlendosis in ein bis fünf Behandlungssitzungen sehr gezielt bestrahlt und dadurch zerstört. Auch eine herkömmliche Strahlentherapie kann zur Behandlung von Metastasen in den Knochen oder im Gehirn eingesetzt werden, z. B. um Beschwerden wie Schmerzen zu lindern. [2]

Systemische Therapie mit Medikamenten

Medikamente zur Therapie der Metastasen werden vor allem dann eingesetzt, wenn

  • eine lokale Behandlung nicht durchgeführt werden kann bzw. nicht sinnvoll ist, oder wenn
  • vorliegende Metastasen reduziert werden sollen, um durch die Verkleinerung eine Operation zu ermöglichen. [2]

Für die medikamentöse Behandlung der Tochtergeschwülste stehen dieselben Wirkstoffe zur Verfügung, die auch zur Therapie des ursprünglichen Tumors im fortgeschrittenen Krankheitsstadium eingesetzt werden.

Die Standard-Therapie zur medikamentösen Behandlung von Metastasen des Nierenzellkarzinoms sind die sogenannten zielgerichteten Therapien (Target-Therapien). Hierbei werden Medikamente eingesetzt, die gezielt das Wachstum des entarteten Gewebes hemmen. In den letzten Jahren wurden hier erhebliche Fortschritte gemacht und noch wirksamere Medikamente entwickelt. Im Fachjargon heißen diese z. B. Monoklonale Antikörper, Angiogenesehemmer, Tyrosinkinasehemmer, PARP-Hemmer oder mTOR-Hemmer [2,3].

Bei der Immuntherapie erhält der Patient Medikamente wie Interferon-alpha und/oder Interleukin 2. Bei diesen Medikamenten handelt es sich um künstlich hergestellte Eiweiße, die natürlicherweise auch im Körper vorkommen. Dort sind sie an der Steuerung des Abwehrsystems (Immunsystem) beteiligt und können dieses dazu anregen, Krebszellen anzugreifen. Manchmal wird die Immuntherapie mit einer Chemotherapie kombiniert. Mit der Entwicklung zielgerichteter Therapien wird eine solche Immuntherapie mit Interferon-alpha und/oder Interleukin 2 heute jedoch nur noch selten verwendet [4].

Bei der noch neuartigen Immunonkologischen Therapie bekämpft man die Krebszellen nicht direkt, sondern macht sich die natürliche Fähigkeit des körpereigenen Immunsystems zur Krebsbekämpfung zunutze [4,5]. Krebszellen sind in der Lage, sich der Erkennung durch das Immunsystem zu entziehen. Immunonkologische Substanzen (sog. Checkpoint-Inhibitoren) heben die krebsbedingte „Tarnung“ wieder auf und stimulieren das Immunsystem, um Tumorzellen zu erkennen und zu zerstören [4].

Die Prognose abzuschätzen ist wichtig für die Therapieplanung

Um die Behandlung von metastasiertem Nierenkrebs bestmöglich planen zu können, ist eine Abschätzung des Krankheitsverlaufs sinnvoll. Hierbei werden unterschiedliche Risikofaktoren erfasst, von denen bekannt ist, dass sie mit dem Fortschreiten der Krankheit in Zusammenhang stehen. Diese Faktoren können mithilfe einer Punkteskala bewertet werden; aus der Punktsumme wird dann das Gesamtrisiko ermittelt. [2]

Die verschiedenen zielgerichteten Therapien werden meist nacheinander durchgeführt. Hierfür ist bisher keine bestimmte Reihenfolge festgelegt. Die Entscheidung, welches Medikament er zuerst einsetzt, trifft der Arzt anhand der Prognoseabschätzung und in Abhängigkeit von anderen Faktoren, wie z. B. Allgemeinzustand und Begleiterkrankungen des Patienten sowie Zulassungsstatus des Medikaments. [2]

Quellen: 

[1] European Urology, The Epidemiology of Renal Cell Carcinoma, Oktober 2011, von: http://www.europeanurology.com/article/S0302-2838%2811%2900722-6/fulltext/the-epidemiology-of-renal-cell-carcinoma (zuletzt besucht am 16.01.2017) [2] http://www.daslebenshaus.org/nierenkrebs-behandeln/nierenkrebs-metastasen, Stand: 16.05.2016 (zuletzt besucht am 16.01.2017) [3] https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/iblatt/iblatt-zielgerichtete-krebstherapien.pdf (zuletzt besucht am 16.01.2017) [4] https://www.krebs.de/nierenzellkarzinom/therapie (zuletzt besucht am 16.01.2017) [5] https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/immunonkologie-mit-dem-immunsys.html (zuletzt besucht am 16.01.2017)
Autor: Stefan Oetzel