Knochenmetastasen bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom

Bei 30–50 % der Patienten mit Nierenzellkarzinom kommt es im Laufe der Erkrankung zu Tumorabsiedlungen in den Knochen. Die Behandlung richtet sich nach dem betroffenen Knochen und den individuellen Beschwerden. [1]

Ein Merkmal von Krebszellen ist, dass sie sich aus dem Tumorverband lösen und über das Blut- und Lymphsystem in andere Bereiche des Körpers gelangen können. Bestimmte Gewebe, wie z. B. Lunge oder Knochen, bieten diesen losgelösten Zellen gute Wachstumsbedingungen. Die Zellen lassen sich dort nieder, teilen sich und bilden so Tochtergeschwulste, sogenannte Metastasen. Beim Nierenzellkarzinom finden sich Metastasen besonders häufig in den Knochen.

Knochenmetastasen haben bevorzugte Absiedlungsorte

Knochenmetastasen können bereits zum Zeitpunkt der Diagnose vorhanden sein, aber sie können auch erst nach Monaten oder Jahren auftreten. Am häufigsten sind die Knochen des Beckens, der Rippen und der Wirbelsäule betroffen [2].

Knochenmetastasen bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom

Abb. 1: Vorkommen von Knochenmetastasen bei Nierenzellkarzinom. [2]

Knochenmetastasen können Knochen ab- oder aufbauen

Knochenmetastasen treten nicht nur in unterschiedlichen Knochen auf, sie können auch nach ihrem Verhalten im Knochengewebe unterschieden werden. Man kennt:

  • Osteolytische Knochenmetastasen
  • Osteoplastische Knochenmetastasen
  • Gemischte Knochenmetastasen

Etwa 75 % der Knochenmetastasen bei allen Krebserkrankungen sind osteolytische Knochenmetastasen [3]. Von den Tumorzellen gebildete Stoffe bewirken hier, dass es zu einem vermehrten Knochenabbau kommt. Daher setzt sich der Begriff „osteolytisch" auch aus den griechischen Wörtern für Knochen (ostéon) und Auflösung (lýsis) zusammen. Nach dem griechischen Wort für Formen oder Geformtes (plastikí) sind die selteneren osteoplastischen Knochenmetastasen benannt [4]. Sie führen zu einer überschießenden Bildung von neuem, aber instabilem Knochengewebe. Daneben gibt es auch Mischformen.

Die Folgen von Knochenmetastasen bei Nierenzellkarzinom

Welche Beschwerden Knochenmetastasen verursachen, hängt unter anderem vom Ort des Auftretens, aber auch von der Geschwindigkeit des Wachstums und der Art der Absiedlung ab.

  • Knochenschmerzen: Häufige Beschwerden bei Knochenmetastasen sind Knochenschmerzen [4]. Sie können durch Stoffe hervorgerufen werden, die der Tumor produziert, und welche direkt die für die Schmerzwahrnehmung zuständigen Nerven reizen können. Darüber hinaus entstehen Knochenschmerzen durch das Wachstum von Tumorzellen im Knochen. Die Tumorzellen verdrängen das normale Gewebe und der Druck im Knochen steigt. Dadurch wird die äußerst schmerzempfindliche Knochenhaut gedehnt, die den ganzen Knochen außen umgibt.
  • Knochenbrüche: Ob es sich um Absiedlungen handelt, die das Knochengewebe abbauen oder solche, die zu einer überschießenden Neubildung führen - die Folgen für den Patienten sind ähnlich. Auch der neu gebildete Knochen weist nicht die stabile Struktur des gesunden Knochens auf. Schon relativ geringe Krafteinwirkungen können ausreichen, um einen betroffenen Knochen brechen zu lassen.

Die Behandlung von Knochenmetastasen erfolgt im Team

Die Behandlung von Knochenmetastasen richtet sich individuell nach dem betroffenen Knochen und den Beschwerden des Patienten. Das Schlüsselbein ist z. B. einer geringeren Belastung ausgesetzt, als der Oberschenkelknochen, auf dem das ganze Gewicht des Körpers lastet. Finden sich Metastasen im Oberschenkelknochen, spielt die Erhaltung der Stabilität eine große Rolle. Bei Knochenmetastasen im Schlüsselbein wird dagegen eher die Schmerzbehandlung im Vordergrund stehen.

Ganz unterschiedliche Ärzte können an der Behandlung beteiligt sein: Schmerztherapeuten, Chirurgen, Spezialisten für Bestrahlungen und Spezialisten für Krebserkrankungen (Onkologen). Die folgenden Abschnitte sollen lediglich einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten der Behandlung geben. Welches Verfahren in Ihrem Fall am besten geeignet ist, wird der behandelnde Arzt mit Ihnen gemeinsam besprechen.

  • Bestrahlung: Eine Bestrahlung kann Knochenschmerzen innerhalb weniger Tage lindern [4]. Darüber hinaus kann sie das Tumorwachstum reduzieren und den Knochen stabilisieren. Das senkt das Risiko für Knochenbrüche [4]. Nachteil der Bestrahlung ist jedoch, dass sie auch direkt benachbartes gesundes Gewebe schädigen kann.
  • Radionuklidbehandlung: Bei der Radionuklidbehandlung werden radioaktive Substanzen über die Vene gegeben und verteilen sich im gesamten Körper. Aufgrund ihres speziellen chemischen Aufbaus sammeln sie sich vor allem in den Knochenabsiedlungen an und bestrahlen sie von innen [5]. Schmerzen können reduziert und Metastasen in einzelnen Fällen sogar verkleinert werden [5]. Die Behandlung ist besonders geeignet, wenn mehrere Knochen betroffen sind [5].
  • Operation: Bei Knochenbrüchen sind Operationen in der Regel unumgänglich. Aber sie können auch notwendig werden, um drohende Knochenbrüche zu verhindern [5]. Da der betroffene Knochen eine ganz andere Struktur als gesunder Knochen aufweist, sind hier spezialisierte Chirurgen erforderlich.
  • Schmerzmedikamente: Von den Wirkstoffen, die man aus Kopfschmerztabletten kennt, bis hin zu starken Schmerzmedikamenten, wie den Morphinen, steht heute eine Vielzahl an Wirkstoffen zur Behandlung von Knochenschmerzen zur Verfügung. Sie werden häufig nach einem festen Stufenschema alleine oder in Kombinationen eingesetzt. [5]
  • Bisphosphonate: Bisphosphonate hemmen gezielt den Knochenabbau im Bereich von Knochenmetastasen [5]. Werden sie regelmäßig als Tablette eingenommen oder über die Vene verabreicht, lindern sie nicht nur Tumorschmerzen, sondern können den Knochen darüber hinaus stabilisieren.
  • Antikörper: Eine weitere Behandlungsmöglichkeit sind Medikamente, die Antikörper als Wirkstoff enthalten. Antikörper verhindern die Bildung und Aktivität von Zellen, die den Knochen abbauen. Damit sollen Knochenbrüche und andere Folgen von Knochenmetastasten mit dieser Therapie vermindert werden. [6]
Quellen: 

[1] B. Krempien: Die Entstehung von Knochenschmerzen bei Knochenmetastasen und ihre Behandlung durch Bisphosphonate. In: H. H. Bartsch, W. Hornstein (Hrsg.): Interdisziplinäre Schmerztherapie bei Tumorpatienten. Karger Publishers, 1998, ISBN 3-805-56594-1. [2] http://clincancerres.aacrjournals.org/content/10/18/6397S (zuletzt besucht am 17.01.2017) [3] S. Braun: Operative Therapie und Prognose bei Patienten mit skelettären Karzinommetastasen. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität zu München, 2004. [4] https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/nebenwirkungen-der-therapie/knochenmetastasen.html (zuletzt besucht am 17.01.2017) [5] https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/metastasen/knochenmetastasen-behandlung.php#inhalt4 (zuletzt besucht am 17.01.2017) [6] https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/metastasen/knochenmetastasen-behandlung.php (zuletzt besucht am 17.01.2017)