Entzündungen der Mundschleimhaut (Mukositis) lindern

Im Rahmen einer Krebstherapie kann sich die Schleimhaut im Mund entzünden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Entzündungen vorzubeugen oder sie gegebenenfalls zu lindern.

Entzündungen der Mundschleimhaut (Mukositis) lindernSchleimhäute sind Gewebe, die als eine innere Schutzschicht verschiedene Hohlorgane auskleiden. Sie sind beispielsweise in der Nase, im Mund aber auch im Magen, Darm, in der Harnblase oder der Gebärmutter zu finden. Je nach Organ erfüllt die Schleimhaut (lat. Tunica mucosa oder Mukosa) unterschiedliche Funktionen. Im Bereich der Mundhöhle dient sie der Befeuchtung und dem Schutz vor äußeren Einflüssen, z. B. vor Bakterien, Pilzen und Viren. Im Magen- und Darmbereich ist sie außerdem an der Aufnahme von Nährstoffen in den Körper beteiligt.

Im Rahmen einer Krebstherapie können sich die Schleimhäute verschiedener Organe entzünden. Eine Entzündung der Schleimhäute wird allgemein als Mukositis bezeichnet. Handelt es sich speziell um Entzündungen der Mundschleimhaut, wird dies orale Mukositis bzw. Stomatitis genannt. [1]

Was ist eine orale Mukositis und welche Anzeichen sind typisch?

Entzündungen der Mundschleimhaut (orale Mukositis) betreffen in der Regel die Innenseiten der Wangen, die Seitenränder und Unterseite der Zunge, den Gaumen und den Rachen. Anzeichen einer oralen Mukositis sind Rötungen, Schwellungen und auch ein Brennen im Mund. Heiße oder scharfe Speisen werden schlecht vertragen bzw. verursachen Schmerzen. Wenn eine orale Mukositis sehr stark ausgeprägt ist, bilden sich im Bereich der Mundhöhle auch schmerzhafte Geschwüre (Ulzerationen).

Auf der geschädigten Mundschleimhaut können sich Krankheitskeime ausbreiten und aufgrund einer Infektion zusätzlich die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen. Beispielsweise verursachen Infektionen mit Herpesviren sehr schmerzhafte Bläschen, die sich in der Schleimhaut großflächig ausbreiten können.

Wenn Essen und Trinken Schmerzen bereiten, nehmen die Betroffenen häufig zu wenig Flüssigkeit und Nahrung zu sich.

Bei den meisten Patienten heilen die Entzündungen nach einiger Zeit von selbst ab. Eine gute Mundhygiene, speichelfördernde und schleimhautschonenden Maßnahmen können dazu beitragen, einer oralen Mukositis vorzubeugen oder diese zu lindern. [2]

Gibt es Faktoren, die eine orale Mukositis begünstigen?

Nicht alle Krebsbehandlungen verursachen eine orale Mukositis. Außerdem lässt sich nur bedingt vorhersagen, bei welcher Therapie die schweren Formen auftreten. Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Entzündung der Mundschleimhaut begünstigen. Hierzu zählen:

  • Bestehende chronische Entzündungen wie Gastritis, Parodontitis, Magen-Darm-Geschwüre
  • Bestehende Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Langzeittherapie mit Cortison
  • Schlechte Mundhygiene
  • Rauchen und Alkoholkonsum
  • Stark gewürzte, saure, sehr kalte oder sehr heiße Speisen
  • Schlechter Ernährungszustand [1, 2]

Die Mundhygiene und der Zustand von Zähnen und Zahnfleisch können das Ausmaß der Entzündungen und das Risiko zusätzlicher Infektionen beeinflussen. Gerade Patienten, die bereits vor Behandlungsbeginn unter Entzündungen von Mundschleimhaut oder Zahnfleisch leiden, sollten vor der Therapie und auch währenddessen regelmäßig zum Zahnarzt gehen.

Der Zahnarzt kontrolliert den Gesundheitszustand von Zähnen und Zahnfleisch sowie der gesamten Mundschleimhaut. Eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung kann außerdem der Infektion durch Keime vorbeugen. Bei Entzündungen kann der Zahnarzt geeignete Spüllösungen empfehlen, die entzündungshemmende, schmerzstillende und heilungsfördernde Wirkstoffe enthalten. Bakterielle Infektionen werden gegebenenfalls mit Antibiotika zum Einnehmen behandelt. [1, 2]

Kann man einer oralen Mukositis vorbeugen?

Eine intensivere Mund- und Zahnpflege kann dazu beitragen, einer Mundschleimhautentzündung vorzubeugen. Die Empfehlungen zur Basisprophylaxe sind: [1]

  • Reinigung der Zähne: weiche Zahnbürste, die wöchentlich erneuert wird (gegen Infektion durch Keime); keine Zahnseide, keine aromatisierte, aber fluorierte Zahnpasta
  • Spülung des Mundes: mit Wasser allein oder Wasser mit Kochsalz und Natriumbikarbonat (je 1⁄2 bis 1 Teelöffel pro Liter), mit mildem Tee (z. B. Salbeitee, jedoch kein Kamillentee! [4]); kein aromatisiertes, saures oder alkoholhaltiges Mundwasser verwenden
  • Lippenpflege: Fettcreme z. B. Vaseline, fetthaltige Pflegestifte

Tipps für Schonung und Pflege der Mundschleimhaut

Um einer oralen Mukositis vorzubeugen, ist es wichtig, die Mundschleimhaut befeuchtet zu halten. Zur allgemeinen Befeuchtung der Mundschleimhaut sind milde Bonbons geeignet. Sie sorgen ebenso wie Kaugummi dafür, dass reichlich Speichel gebildet wird. Der Speichel schützt vor Austrocknung und somit auch vor einer Keimbesiedlung. Die Bonbons sollten wenig Säure, keine scharfen Kanten oder raue Oberfläche aufweisen, denn hierdurch kann die Mundschleimhaut zusätzlich gereizt werden.

Es ist hilfreich, auf scharf gewürzte Speisen, sehr saure oder knusprige Lebensmittel zu verzichten, da diese Reizungen verursachen können. Deswegen sind beispielsweise harte Brotrinde oder Knäckebrot sowie Früchte mit hohem Fruchtsäuregehalt (Zitrusfrüchte, Beeren) weniger geeignet. Mundschonend sind dagegen Birnen-, Aprikosen-, Pfirsich- oder Bananensaft. Auch dickflüssige oder pürierte Nahrung wie z. B. Babynahrung und weichgekochte Speisen schonen die Mundschleimhaut, ebenso empfiehlt es sich während des Essens immer wieder zu trinken. [3]

Behandlung der oralen Mukositis

Die Therapie einer oralen Mukositis sollte immer nach Anweisung des behandelnden Arztes erfolgen, denn nur er kann die individuelle Situation des Patienten beurteilen. Solange die Mundschleimhaut entzündet ist, sind Fruchtsäuren zur Anregung des Speichelflusses nicht geeignet, Der Arzt kann gegebenenfalls Tabletten zur Anregung des Speichelflusses, Spülungen und Gele mit lokal wirkenden Schmerzmitteln empfehlen. Außerdem kann er bei Verdacht auf eine Infektion mit Pilzen, Bakterien oder auch Viren geeignete Medikamente verordnen. [2]

Quellen: 

[1] Bannert C., Rémi C. Tumortherapie – Quälende Schleimhautschäden verhindern, Pharmazeutische Zeitung, Govi-Verlag, 31/2009 [2] http://www.krebsinformationsdienst.de/leben/haare-haut-zaehne/haare-haut-zaehne-index.php (zuletzt besucht am 17.01.2017) [3] Heyn, G. Stomatitis – Schmerzhaft wund im Mund, Pharmazeutische Zeitung, Govi-Verlag, 41/2005 [4] Leitlinien zu Zytoprotektion / Mukositis / Hauttoxizität der Deutschen Krebsgesellschaft, Schleimhauttoxizität, 2008