Nierenzellkarzinom – Behandlung bei fortgeschrittener Erkrankung

Patienten mit fortgeschrittenem Nierenkrebs werden in den meisten Fällen zunächst operiert. Für die weitere Therapie gibt es mehrere Ansätze, wobei in den letzten Jahren aussichtsreiche Medikamente entwickelt wurden.

Nierenzellkarzinom – Behandlung bei fortgeschrittener ErkrankungEtwa 20-30 % aller Patienten mit Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom) haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in den Lymphknoten oder in anderen Organen entwickelt [1]. Ähnlich wie bei der Therapie im Frühstadium werden bei den meisten Patienten die betroffene Niere und – soweit möglich – die Metastasen operativ entfernt Voraussetzung ist, dass der Allgemeinzustand des Patienten eine Operation erlaubt. [2]

Hierdurch lassen sich zumindest Beschwerden wie Schmerzen oder Blutungen, die durch die Geschwülste (Tumoren) hervorgerufen werden können, verhindern oder lindern. Zudem haben weitere Behandlungsmaßnahmen, die sich an die Operation anschließen können, nach Entfernung des Tumorgewebes höhere Aussicht auf Erfolg [3].

Chemotherapie bei Nierenzellkarzinom

Einige Medikamente, die bei anderen Krebsarten erfolgreich angewendet werden, sind beim Nierenzellkarzinom im späten Stadium kaum oder gar nicht wirksam. So führt eine Chemotherapie nur bei wenigen Patienten zu einer Abschwächung der Krankheitssymptome [2].

Immuntherapie regt die körpereigene Abwehr an

Bei der Immuntherapie wird das Abwehr­system des Körpers durch die Gabe bestimmter Substanzen so angeregt, dass die Tumorzellen vom eigenen Körper erkannt und angegriffen werden können [1]. Bei den verwendeten Medikamenten (z. B. Interferone oder Interleukin) handelt es sich um künstlich hergestellte sogenannte Zytokine – Eiweiße, die im menschlichen Körper vorkommen und an der Steuerung des Immunsystem beteiligt sind. Die Immuntherapie mit Zytokinen ist eine Möglichkeit der Behandlung von Nierenkrebs in fortgeschrittenem Stadium [2].

Neben der Immuntherapie sind in den letzten Jahren vielversprechende Behandlungsansätze mit neuartigen Medikamenten entwickelt worden. Hierzu gehören die sogenannten zielgerichteten Therapien („targeted therapies").

Zielgerichtet gegen den Nierenkrebs

Bei der zielgerichteten Therapie greifen Medikamente in verschiedene Signalwege des Tumorstoffwechsels ein und wirken so gezielt gegen das entartete Gewebe. Einige Substanzen können z. B. das Wachstum von Blut- bzw. Lymphgefäßen hemmen (Angiogenesehemmer), die den Tumor mit Sauerstoff- und Nährstoffen versorgen [3]. So können sie die weitere Entwicklung und Ausbreitung der Geschwulst verzögern.

Sogenannte Tyrosinkinasehemmer hemmen in den Körperzellen ein bestimmtes Eiweiß (Tyrosinkinase), das die Aufgabe hat, innerhalb der Zelle bestimmte Signale weiterzuleiten. Damit können sie insbesondere Zellen der Blutgefäße z. B. dazu veranlassen, sich zu teilen. Tyrosinkinasehemmer reduzieren die Vermehrung dieser Zellen, indem sie die Tyrosinkinase und damit die Signalweiterleitung blockieren. [5]

Andere Medikamente wirken gezielt gegen das sogenannte mTOR (mTOR-Hemmer). Dies ist ein wichtiges Enzym im menschlichen Organismus, das eine zentrale Rolle bei der Regulierung von Wachstum, Versorgung und Entwicklung der gesunden Zellen spielt. Beim Nierenzellkarzinom ist die Aktivität von mTOR jedoch krankhaft erhöht, d. h. die Tumorzellen können unkontrolliert wachsen und sich vermehren. [5] „mTOR-Hemmer" binden an das Enzym mTOR, unterdrücken so dessen Aktivität und damit auch das Wachstum und die Entwicklung der Krebszellen.

Bestrahlung und andere Therapien bei Nierenzellkrebs

Gegenüber einer Bestrahlung sind Nierentumoren nicht sehr empfindlich. Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit kann die Strahlentherapie aber zur Behandlung von Metastasen in den Knochen oder im Gehirn eingesetzt werden, um die Symptome, z. B. Schmerzen, zu lindern. [2]

Vor allem bei älteren Nierenzellkarzinom-Patienten mit Blutungen, die aufgrund ihres schlechten Allgemeinzustandes oft nicht operiert werden können, besteht die Möglichkeit der sogenannten Tumorembolisation. [2] Bei diesem Verfahren wird das zur Niere führende Blutgefäß (Nierenarterie) verschlossen (embolisiert), indem über einen Katheter – ein sehr dünnes, biegsames Rohr – z. B. bestimmte Kunststoffe, Gewebekleber oder kleine Partikel eingebracht werden. So wird die Blutversorgung des Tumors unterbrochen – dieser kann nicht weiter wachsen oder bildet sich sogar zurück. Allerdings ist die Wirkung meist nicht dauerhaft, da sich das Blut neue Wege erschließt. [4]

Behandlung von Schmerzen bei Nierenkrebs

Schmerzen können beim Nierenzellkarzinom im fortgeschrittenen Stadium die Lebensqualität der Patienten erheblich einschränken. Die wirksame Schmerzbekämpfung ist dann eine der wichtigsten Maßnahmen [3]. Mit den heute verfügbaren Medikamenten und Methoden lassen sich Tumorschmerzen meist gut lindern [3]. Dabei wird die Behandlung individuell auf den Patienten abgestimmt.

Haben sich schmerzhafte Metastasen im Knochen entwickelt, können sogenannte Bisphosphonate als Infusionen oder in Tablettenform verabreicht werden. Diese Medikamente stabilisieren die Knochen, verringern die Schmerzen und können Knochenbrüchen vorbeugen [3].

Als weitere Möglichkeit können bei einigen Patienten radioaktive Substanzen eingesetzt werden. Diese Medikamente werden in die Blutbahn gespritzt. Sie werden vor allem dann eingesetzt, wenn die Metastasen über das ganze Skelett verstreut vorliegen. [6]

Weitere Medikamente zur Schmerzbehandlung beinhalten als Wirkstoff sogenannte Antikörper. Sie bremsen den Knochenabbau. [6]

Quellen: 

[1] European Urology, The Epidemiology of Renal Cell Carcinoma, Oktober 2011; http://www.europeanurology.com/article/S0302-2838%2811%2900722-6/fulltext/the-epidemiology-of-renal-cell-carcinoma (zuletzt besucht am 17.01.2017) [2] Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DHGO): Nierenzellkarzinom (Hypernephrom), Stand Februar 2013; https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/nierenzellkarzinom-hypernephrom/@@view/html/index.html (zuletzt besucht am 17.01.2017) [3] Deutsche Krebsgesellschaft; http://www.krebsgesellschaft.de/pat_ka_nierenkrebs_therapie,108262.html, Stand 27.05.2015 (zuletzt besucht am 17.01.2017) [4] Universitätsklinik Ulm; http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/zentren/cccu/home/fuer-patienten-und-angehoerige/krebsbehandlung/krebs-spezifisch/nierenzellkarzinom.html#c51648, Stand 08/2016 (zuletzt besucht am 17.01.2017) [5] Nierenkrebs - Eine Information der Krebsliga für Betroffene und Angehörige, Informationsbroschüre der Krebsliga Schweiz, 2015; http://assets.krebsliga.ch/downloads/1077.pdf (zuletzt besucht am 17.01.2017) [6] https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/metastasen/knochenmetastasen-behandlung.php (zuletzt besucht am 17.01.2017)