Warum kann eine Therapieumstellung sinnvoll sein?

Bei der Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms können sich Krebszellen gegenüber Medikamenten ähnlich verhalten wie Bakterien gegenüber Antibiotika: Sie können gegen einen Wirkstoff resistent werden, gegen den sie zunächst empfindlich waren. In solchen Fällen wird der Arzt die Therapie umstellen.

Dabei kann er Medikamente mit unterschiedlichen Wirkmechanismen einsetzen. Zum einen werden Medikamente gegeben, die das Immunsystem beeinflussen, wie beispielsweise Interferone und Interleukine. Zum anderen werden so genannte zielgerichtete Wirkstoffe eingesetzt, die das Wachstum von Tumorzellen direkt hemmen.

Es gibt verschiedene zielgerichtete Medikamente

Viele Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom werden zunächst operiert. Zur weiteren Therapie erhalten sie in der Regel eine Therapie mit zielgerichteten Wirkstoffen. Diese können anhand ihrer Wirkmechanismen, d.h. der Art, wie sie die Zellen oder den Stoffwechsel des Körpers beeinflussen, in verschiedene Wirkstoffklassen eingeteilt werden, wie z.B.

VEGF-Hemmer: Die Medikamente hemmen ein Eiweiß, das die Bildung von Blutgefäßen im Tumorgewebe anregt (VEGF = vascular endothelial growth factor) [1].

Abb. 1 Wirkmechanismus der VEGF-Hemmung. VEGF ist ein Botenstoff, der am passenden Rezeptor einer Zelle andockt und dadurch im Zellinneren den Befehl zur Zellteilung auslöst. Der Hemmstoff verhindert das Andocken.

Tyrosinkinase-Hemmer: Die Medikamente hemmen bestimmte Eiweißstoffe innerhalb der Tumorzelle, die so genannten Tyrosinkinasen. Diese spielen bei der Steuerung der Zellteilung eine wichtige Rolle [1].

Abb. 2 Wirkmechanismus der Tyrosinkinase-Hemmung. Die Tyrosinkinase sitzt an bestimmten Rezeptoren der Zelle. Wird der Rezeptor durch passende Signale wie z. B. Botenstoffe aktiviert, löst dies mit Hilfe der Tyrosinkinase einen Befehl zur Zellteilung aus. Ein Hemmstoff blockiert die Tyrosinkinase und damit den Befehl zur Zellteilung.

mTOR-Hemmer: Die Medikamente hemmen das Eiweiß mTOR (mammalian target of rapamycine), das an verschiedenen Stellen des Zellwachstums und der Zellteilung eine wichtige Rolle spielt. Beim Nierenzellkarzinom ist mTOR häufig dauerhaft überaktiv, d.h. hierdurch wird das Tumorwachstum angeregt [1].

Abb. 3 Wirkmechanismus der mTOR-Hemmung. Der Befehl zur Zellteilung wird über mehrere Stationen innerhalb der Zelle in den Zellkern weitergeleitet. Eine Station auf dem Weg ist mTOR. Wird es aktiviert, löst es die Zellteilung aus. Wird ein beim Nierenzellkarzinom überaktives mTOR gehemmt, kann die Zellteilung nicht erfolgen.

Welches Medikament zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren, wie z.B. dem Allgemeinzustand des Patienten und von der Prognose der Tumorerkrankung, ab und liegt in der Entscheidung des behandelnden Arztes [2].

Unterschiedliche Wirkmechanismen ermöglichen meist wirksamen Therapiewechsel

Falls Tumorzellen gegen ein Medikament unempfindlich werden, besteht die Möglichkeit, auf ein anderes Medikament zu wechseln. Bei der Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms stehen verschiedene Wirkstoffklassen zur Verfügung.

Je nachdem, mit welchem Medikament zuerst behandelt wurde (Erstlinientherapie), kann auf ein Medikament mit einem anderen Wirkmechanismus (Zweitlinientherapie) gewechselt werden.

In besonderen Fällen können auch Nebenwirkungen Anlass zu einem Wechsel des Medikaments geben, wenn sie beispielsweise stark ausgeprägt sind und nicht durch andere Maßnahmen gelindert werden können. Dies ist jedoch nicht die Regel, vielmehr ist für einen Wechsel des Medikaments die nachlassende Wirksamkeit bestimmend [3, 4].

Sequenzielle Therapie beim Nierenzellkarzinom

In der Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms wird häufig eine so genannte Sequenztherapie angewandt. Sequenztherapie bedeutet, dass die Medikamente systematisch in einem definierten Wechsel so lange eingesetzt werden, wie sie optimal wirken [5]. Hierbei wird unter Berücksichtigung des Risikos, des Allgemeinzustandes des Patienten und eventueller Begleiterscheinungen zunächst mit einem bestimmten Wirkstoff begonnen. Erst beim Fortschreiten der Erkrankung wird auf ein zweites und gegebenenfalls auf ein drittes oder viertes Medikament umgestellt [4].

Quellen: 
[1] http://www.krebsinformation.de/behandlung/moderne-krebstherapien.php (zuletzt besucht am 17.01.2017) [2] https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/nierenzellkarzinom-hypernephrom/@@view/html/index.html (zuletzt besucht am 17.01.2017) [4] http://www.krebsgesellschaft.de/pat_ka_nierenkrebs_therapie,108262.html, (zuletzt besucht am 17.01.2017) [4] Leitlinie Nierenzellkarzinom (Hypernephrom) der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V., Stand Februar 2013 [5] Medizin-Aspekte.de, Moderne Krebstherapie: Sequenztherapie und personalisierte Medizin auch bei Krebs im Alter sinnvoll, Ausgabe April 2013