Zielgerichtete medikamentöse Therapie beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom

Neue Medikamente für die Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms greifen zielgerichtet an Krebszellen an.

Die Therapie der Wahl beim Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom) ist die Operation. Ist der Tumor klein und auf die Niere beschränkt, kann der Patient dadurch geheilt werden [1]. Bei fortgeschrittenen Nierenzellkarzinomen haben sich die Krebszellen aber bereits im Körper verteilt und Tochtergeschwulste (Metastasen) z. B. in Lunge oder Knochen gebildet [2]. Eine Heilung ist dann zwar nicht mehr möglich – das Wachstum der Krebszellen kann jedoch gehemmt und dadurch die Lebensqualität des Patienten verbessert werden. Hierfür stehen zielgerichtete Therapien beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom im Vordergrund.

Fehler bei der Zellteilung können zur Krebsentstehung führen

Zellen altern und werden in regelmäßigen Abständen durch neue Zellen ersetzt. Diese neuen Zellen entstehen durch Zellteilung aus den bestehenden Zellen. Wann und wie oft sich eine gesunde Zelle teilt, ist streng geregelt. Meist kommt der Auftrag zur Zellteilung von außen in Form eines chemischen Botenstoffes. Wie ein Schlüssel ins Schloss passt dieser Botenstoff nur in ganz bestimmte chemische Gebilde (Rezeptoren) auf oder in der Zelle. Verbinden sich Schlüssel und Schloss - Botenstoff und Rezeptor - werden eine ganze Reihe chemischer Reaktionen, eine sogenannte Signalkaskade angestoßen [2]. Vorstellen kann man sich das wie eine Reihe von Dominosteinen, in der ein fallender Dominostein den nächsten anstößt.

Durch Fehler bei der Zellteilung können Zellen „entarten" und zu Krebszellen werden, die sich unabhängig von den üblichen Regelmechanismen vermehren. Einige entartete Zellen können z. B. selbst Botenstoffe bilden, durch die sie sich immer wieder den Auftrag zur Zellteilung geben. Bei anderen Krebszellen gibt ein fehlerhafter Rezeptor oder ein Bestandteil der Signalkaskade das Signal zur Teilung, ohne dass sie zuvor aktiviert wurden.

Zielgerichtete Therapien (engl. targeted therapies) greifen in diesen gestörten Prozess der Auftragserteilung ein und können dadurch gezielt das Wachstum von Krebszellen hemmen [2].

Abb. 1: Ansatzpunkte „Zielgerichteter Therapien" beim Nierenzellkarzinom am Beispiel des Proteins mTOR.

Angriffspunkte der zielgerichteten Therapie beim Nierenzellkarzinom

Es gibt eine große Anzahl von Rezeptoren und „Dominosteinen", die bei der Zellteilung eine Rolle spielen. Aktuell werden für die Behandlung des Nierenzellkarzinoms zwei Wirkstoffklassen eingesetzt, die verschiedenen Ansatzpunkte haben:

  • Tyrosinkinasehemmer: Tyrosinkinasen sind Eiweiße (Proteine), die bei der Signalübertragung innerhalb der Zellen eine wichtige Rolle spielen. Tyrosinkinasehemmer hemmen die Aktivität dieser Eiweiße [3]. Wird der Befehl zur Zellteilung nicht mehr weitergeleitet, wird das Wachstum der Krebszellen gehemmt.
  • mTOR-Hemmer: mTOR (mammalian target of rapamycine) ist ein Eiweiß (Protein), welches in mehrere Signalkaskaden innerhalb der Zelle eingebunden ist. Es spielt daher eine zentrale Rolle bei der Regulierung von Wachstum und Entwicklung einer Zelle und ist beim Nierenzellkarzinom häufig dauerhaft überaktiv. mTOR-Hemmer können die Aktivität dieser Eiweiße blockieren und damit das Wachstum der Krebszellen hemmen [3].

Zielgerichtete Therapien stören auch die Durchblutung des Tumors

Krebszellen sind auf die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen über das Blut angewiesen. Wächst ein Tumor oder eine Tochtergeschwulst schnell, reichen die vorhandenen Blutgefäße schon bald nicht mehr aus. Die Krebszellen bilden daher Botenstoffe, die an spezielle Rezeptoren, die sogenannten VEGF-Rezeptoren, auf der Oberfläche von Blutgefäßzellen binden. Diese Bindung löst eine Signalkaskade aus, die zur Bildung neuer Blutgefäße führt. Medikamente, sogenannte VEGF-Hemmer, können diese Rezeptoren blockieren und damit die Bildung neuer Blutgefäße hemmen [1].

Quellen: 

[1] Nierenkrebs. Die blauen Ratgeber. Deutsche Krebshilfe 01/2016. ISSN 0946-4816. [2] Diagnose Nierenkrebs! Wir geben Antworten! Broschüre von „Das Lebenshaus e.V.“, September 2011 [3] http://www.krebsinformation.de/behandlung/moderne-krebstherapien.php (zuletzt besucht am 17.01.2017)