Mit meinem Beruf vereinbaren

Mit meinem Beruf vereinbarenFragen zur Berufstätigkeit beschäftigen viele Patienten: Worüber muss ich meinen Arbeitgeber informieren? Und wie kann ich nach der Therapiephase wieder einsteigen, wenn ich das möchte?

Berufstätige Patienten werden hinsichtlich ihres bisherigen Berufslebens wichtige Entscheidungen treffen. Viele können mit ihrer Krebserkrankung weiterhin ihrem Beruf nachgehen. Die einen schöpfen gerade aus ihrer Arbeit Kraft, andere ziehen den vollständigen Rückzug aus dem Beruf vor.

Wenn Sie an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren, kann sich dies positiv auf Ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl auswirken, vom finanziellen Aspekt ganz abgesehen. Die tägliche Arbeit kann Sie von einer ständigen Beschäftigung mit der Krankheit ablenken.

Manche fragen sich, ob und wie sie ihre Vorgesetzten und Kollegen über ihre Erkrankung informieren sollten oder gar müssen.

Ist eine Information meiner Vorgesetzten erforderlich?

Sie können die Entscheidung, wieder zu arbeiten, sorgfältig abwägen. Gleiches gilt für den Schritt, ob Sie den Chef oder den Arbeitgeber über die Erkrankung informieren. Sie können Ihren Arbeitgeber sofort nach der Diagnose über Ihre Erkrankung in Kenntnis setzen, sind aber hierzu nicht verpflichtet.

Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Sie Ihrem Arbeitgeber unverzüglich mitteilen, wenn Sie der Arbeit fernbleiben und ihn darüber informieren, wie lange Sie voraussichtlich fehlen werden. Die genaue Diagnose muss dem Arbeitgeber jedoch nicht mitgeteilt werden, denn sie unterliegt dem Datenschutz. Deshalb ist die Diagnose auch nicht auf dem ärztlichen Attest (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) vermerkt.

Wenn Sie nach der Diagnosestellung weiterarbeiten, können Sie sich Zeit lassen Ihren Arbeitgeber zu informieren, bis Sie wissen, wie es für Sie weitergeht, d. h. ob Sie überhaupt weiterarbeiten können oder wollen. Um die Reaktionen Ihres Umfelds auf Ihre Entscheidung besser einschätzen zu können, kann es sinnvoll sein, mit der Information ein paar Wochen zu warten.

Diese Strategie dient zudem Ihrem eigenen Schutz, denn auch unter Einhaltung der entsprechenden Fristen und gesetzlichen Regelungen kann gekündigt werden. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie auf der Internetseite des Krebsinformationsdienstes.

Wenn Sie mit Ihrem Vorgesetzten über Ihre Erkrankung sprechen, hat er dadurch die Möglichkeit, darauf Rücksicht zu nehmen. Er kann beispielsweise dafür sorgen, dass Sie problemlos Ihre Arzttermine wahrnehmen können oder Arbeitspensum und Aufgabenbereiche an Ihre gesundheitliche Situation anpassen.

In einem kleinen Unternehmen kann es sinnvoll sein, wenn Sie Ihren Chef frühzeitig informieren. Zum einen sind die Kontakte eventuell enger und persönlicher. Zum andern kann Ihr Chef Sie aktiv unterstützen.

Die Rückkehr in den Beruf gut vorbereiten

Je besser Sie sich nach einer längeren Auszeit auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben vorbereiten, desto günstiger kann dieser verlaufen. Sie können sich darüber Gedanken machen, wie belastbar Sie sind, ob Sie Teilzeit- oder Vollzeit arbeiten möchten, ob Sie wieder in Ihrer vorherigen Position tätig sein möchten oder eine andere Beschäftigung vorziehen.

Wenn Sie Fragen haben, wie Sie Ihre Rückkehr in den Beruf so gut wie möglich gestalten können, steht Ihnen eine ganze Reihe an Ansprechpartnern zur Seite, die Sie bei der Wiedereingliederung beratend unterstützen können. Die Adressen finden Sie auf der Website des Krebsinformationsdienstes.

Wie kann ich meine Kollegen über meine Krankheit informieren?

Prinzipiell ist es Ihre eigene Entscheidung, ob Sie mit Ihren Kollegen über die Erkrankung sprechen. Sie können sich vorher überlegen, mit welchen Kollegen Sie am ehesten sprechen möchten und was Sie ihnen genau sagen, dann fällt Ihnen ein Gespräch eventuell leichter. Sie können sich auch klar machen, welche Unterstützung oder Hilfestellung Sie von Ihren Kollegen erwarten oder wünschen. Es kann auch hilfreich sein, wenn Sie wissen, was Ihre persönlichen Grenzen sind, d. h. wie viel Sie von sich erzählen möchten und wie viel Nähe Ihrer Kollegen sie aushalten.

Jeder Kollege reagiert anders – ein praktisches Beispiel

Mit Kollegin Inge besteht ein gutes, persönliches Verhältnis und sie hat bereits Erfahrungen mit Krebssituationen. Sie ist offen für ein Gespräch und bietet Ihnen Unterstützung an. Vielleicht fragt Inge auch nach, wie sie Ihnen ganz praktisch helfen kann.

Dagegen kann es sein, dass der Kollege Max zukünftig ein Gespräch mit Ihnen meidet, weil er nicht weiß, wie er sich verhalten soll. Oder er befürchtet falsch zu reagieren oder „das Falsche" zu sagen. Vielleicht ist Max über die Diagnose Krebs selbst so fassungslos, dass er zunächst mit seinen eigenen Ängsten und Gefühlen nicht klar kommt. Er hat Angst, Ihnen platte Ratschläge zu geben oder zu nahe zu treten. Sie können Max aus diesem Dilemma helfen, indem Sie ihm zu verstehen geben dass er mit Ihnen über die Krankheit offen sprechen kann, aber nicht muss. Sie können ihm anbieten, Fragen zu beantworten. Und Sie können natürlich selbst bestimmen, worüber Sie reden möchten und welche Themen Ihre Privatsache bleiben sollen.

Kollegen, die über Ihre Krankheit Bescheid wissen, können Verständnis dafür aufbringen, wenn es Ihnen beispielsweise nicht so gut geht – und Sie entsprechend unterstützen.

Finden Sie für sich die richtige Strategie

Für einige Menschen kann es die geeignete Strategie sein, mit den Kollegen wie bisher umzugehen. Dadurch kann der Lebensbereich Arbeit, im sonst eventuell stark veränderten Leben, so normal wie möglich bleiben. Allerdings kann es immer Situationen geben, in denen es trotzdem nötig ist, über die Erkrankung zu sprechen, beispielsweise bei sichtbaren Anzeichen der Erkrankung oder der Therapienebenwirkungen.

Vielleicht kann es für Sie eine gute Strategie sein, wenn Sie Ihren Kollegen zu Beginn nur die Informationen bezüglich Ihres Gesundheitszustandes zu geben, die für die Zusammenarbeit erforderlich sind. Ob Sie mit Ihren Kollegen detaillierter über die Erkrankung sprechen möchten, hängt von Ihnen selbst ab - je nachdem ob Sie mit Ihrer Erkrankung offen umgehen oder diese lieber als Privatangelegenheit betrachten möchten. Dabei kann auch die Form des generellen Umgangs unter Kollegen eine Rolle spielen.

Professionelle Unterstützung kann Sie im Umgang mit der Erkrankung am Arbeitsplatz entlasten

Wenn Sie Unterstützung für den Umgang mit Ihren Kollegen oder Ihrem Vorgesetzten wünschen, gibt es dafür professionelle Ansprechpartner. Sie können sich beispielsweise an Ihren Arzt, einen Psychotherapeuten, einen Seelsorger, Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen wenden.

Quellen: 

http://www.macmillan.org.uk/Home.aspx (zuletzt besucht am 16.01.2017)