Nierenzellkrebs: Was können Angehörige tun?

Nierenzellkrebs: Was können Angehörige tun?Angehörige von Patienten mit Nierenzellkrebs möchten oft helfen, wissen aber nicht wie. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, um den Betroffenen zu unterstützen und ihm seine Situation zu erleichtern.

In der ersten Zeit nach der Diagnose „Nierenzellkrebs“ bzw. „Nierenzellkarzinom“ ist es ganz normal, dass die Betroffenen selbst, aber auch die Angehörigen und Freunde unsicher sind, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Als nahestehender Mensch können Sie eine wichtige Stütze für den Patienten sein und ihm das Gefühl geben, dass er nicht alleine ist.

Woran können sich Angehörige orientieren?

Für die richtige Hilfestellung gibt es kein Patentrezept. Dazu sind die betroffenen Personen und deren Lebenssituation zu unterschiedlich. Aber möglicherweise können Ihnen folgende Hinweise zur Orientierung dienen. Was dann im Einzelfall wirklich hilft, gilt es mit dem Beteiligten gemeinsam herauszufinden: [1]

  • Anteilnahme spüren lassen. Angehörige und Freunde ziehen sich oft zurück aus Angst, etwas falsch zu machen. Dabei ist es für den erkrankten Menschen meistens sehr wichtig zu spüren, dass jemand an seiner Seite steht und Zuwendung bietet. Lassen Sie den Betroffenen wissen: „Du bist nicht allein! Ich bin für Dich da, wenn Du mich brauchst.“
  • Selbstbestimmtheit beachten. Es ist wichtig, dass Angehörige die Selbstbestimmtheit des erkrankten Menschen respektieren. Handeln Sie also nicht ohne Rückfragen für den Betroffenen. Langfristig profitieren Patienten oft davon, wenn ihnen nicht alle Aufgaben abgenommen werden und sie wie gewohnt in die Entscheidungen der Familie einbezogen sind.
  • Informationen sammeln. Nahe stehende Menschen können Patienten bei der Informationssuche unterstützen und helfen, die gesammelten Fakten einzuschätzen. Gleichzeitig können Sie als Angehöriger dem betroffenen Menschen wirksamer zur Seite stehen, wenn Sie Hintergrundinformationen über die Krankheit haben und darüber Bescheid wissen.

Darüber hinaus kann es dem Patient gut tun, fachliche Beratung oder sogar eine psychotherapeutische Behandlung zu bekommen. Auch wenn Angehörige sich mit der Situation überfordert fühlen, kann professionelle Unterstützung entlasten helfen. Psychotherapeuten oder Psychoonkologen – Experten für die psychische Betreuung von krebskranken Menschen und deren Angehörigen – sind hier beispielsweise Ansprechpartner. [1]

Offen miteinander sprechen

Ein aufrichtiger Umgang schafft Vertrauen und hilft, Probleme zu lösen. Sprechen Sie daher von Anfang an ehrlich und offen miteinander. Fragen Sie auch nach, wenn Sie unsicher sind, was der Patient benötigt. So kann sich die Beziehung zwischen den Beteiligten festigen und die gesamte Situation entspannen. [2]

In einem Gespräch ist es wichtig, die Sorgen des Betroffenen ernst zu nehmen, d. h. auf seine Ängste einzugehen und diese nicht herunterzuspielen. Andererseits möchten sich viele krebskranke Menschen auch nicht pausenlos mit ihrer Krankheit beschäftigen. Gespräche über alltägliche Kleinigkeiten können daher helfen, eine gewisse Normalität herzustellen. [2]

Schaffen Sie eine geeignete Gesprächsatmosphäre. Erinnern Sie sich, in welchen Situation Sie sich früher mit dem Erkrankten am besten unterhalten konnten. Haben Sie ernste Gespräche beispielsweise bei Spaziergängen oder beim Abendessen geführt? Wenn es die Gesundheit des Patienten zulässt, schaffen Sie auch jetzt solche Rahmenbedingungen. [2]

Grenzen respektieren

Was der Erkrankte als sinnvolle Unterstützung empfindet, kann etwas anderes sein als das, was Sie selbst in dieser Situation brauchen würden. Wenn Sie dazu neigen, sich vollständig nach den Bedürfnissen des Kranken zu richten, und sich Mühe geben, dem Betroffenen jeden Wunsch von den Augen abzulesen, denken Sie daran: Auch ein kranker Mensch möchte möglicherweise nur bis zu einer bestimmten Grenze unterstützt werden und sich die Verantwortung für sein Leben nicht aus der Hand nehmen lassen. [2]

Es ist daher wichtig, eine gemeinsame Basis zu finden, bei der die Bedürfnisse des Kranken respektiert werden. Dazu gehört auch, dass Sie auf keinen Fall Entscheidungen für den Patienten treffen, ohne ihn daran zu beteiligen bzw. ohne diese mit ihm abzustimmen. Sie dürfen aber auch die eigenen Wünsche und Grenzen nicht aus den Augen verlieren. Sprechen Sie darüber ebenfalls offen mit dem Betroffenen. [2]

Wo erhalte ich Informationen über die Krankheit?

Wichtige Ansprechpartner für Angehörige können die behandelnden Ärzte sein, die mit den Einzelheiten der Krankheit und deren Therapie vertraut sind. Wenn der Betroffene einverstanden ist, können nahe Verwandte oder andere Vertrauenspersonen auch mit zu Arztterminen kommen. Weitere Möglichkeiten, um sich über Nierenzellkrebs zu informieren, sind beispielsweise: [1,3]

  • Ratgeber, z. B. Die Blauen Ratgeber: Nierenkrebs
  • Krebsberatungseinrichtungen, Selbsthilfegruppen, z. B. Das Lebenshaus
  • Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums
  • Buchhandlungen, Bibliotheken
  • Ärztekammern, Gesundheitsämter

Vielleicht werden Sie auch in Online-Foren stöbern oder gut gemeinte Ratschläge von Freunden und Bekannten bekommen. Denken Sie dann daran: Krebs ist nicht gleich Krebs und keine Krankengeschichte ist mit der anderen zu vergleichen.

Die Krankheitssituation verstehen

Als Angehöriger ist es gut, sich Klarheit über die Krankheitssituation zu verschaffen. Bei Nierenzellkrebs hängt diese, wie bei anderen Krebserkrankungen auch, maßgeblich davon ab, in welchem Stadium die Krankheit erkannt wurde. Durch fortschrittliche Diagnostik werden viele Nierenzellkarzinome heute in einem Stadium entdeckt, in dem sie durch eine Operation heilbar sind. Selbst wenn eine Heilung nicht möglich ist, können viele Patienten dank moderner Behandlungsverfahren jahrelang ein erfülltes Leben führen [4].

Kümmern Sie sich auch um sich selbst

Als Angehöriger müssen Sie ebenso lernen, mit der neuen Lebenssituation umzugehen wie der Erkrankte selbst. Dabei ist es wichtig, sich auch um sich selbst zu kümmern und Ihre Kräfte zu bewahren. Denn nur wenn es Ihnen selbst gut geht, können Sie Ihrem Angehörigen eine Stütze sein.

Quellen: 

[1] Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) - Krebsinformationsdienst. Krankheitsverarbeitung- Angehörige und Freunde: Helfen und helfen lassen; Stand: April 2014. http://www.krebsinformationsdienst.de/leben/krankheitsverarbeitung/angehoerige.php (zuletzt besucht am 16.01.2017) [2] Deutsche Krebshilfe e. V. Die blauen Ratgeber: Hilfen für Angehörige; Stand: November 2015. https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/042_0115.pdf (zuletzt besucht am 16.01.2017) [3] Informationsnetz für Krebspatienten und Angehörige (INKA); http://www.inkanet.de/leben-mit-krebs/familie-partnerschaft/angehoerige (zuletzt besucht am 16.01.2017) [4] Das Lebenshaus e. V. Diagnose Nierenkrebs! Wir geben Antworten; Stand September 2011.