Gemeinsam mit Kindern und Partner die Lebenssituation verarbeiten

Die Diagnose Nierenkrebs bedeutet in der Regel eine schwere emotionale Krise und Stress, auch für die Angehörigen. Mit dem Partner oder den Kindern über die Krankheit zu sprechen, kann zur gemeinsamen Verarbeitung der Lebenssituation beitragen.

Zahlreiche Aspekte des Zusammenlebens, wie der Ablauf des Alltags oder die Aufgabenstellung innerhalb der Familie, verändern sich durch eine Krebserkrankung und können auch für die Angehörigen eine veränderte Lebenssituation bedeuten. Dabei spielen die Krebsart, die Therapie und deren Nebenwirkungen sowie die Lebensumstände eine Rolle. [1]

Die Auswirkungen auf eine Partnerschaft können auch davon abhängen, wie vertraut die Partner miteinander umgehen, wie lange sie bereits zusammen leben, wie lange die Erkrankung besteht und wie stark das tägliche Leben davon beeinflusst wird. Paare, die Hemmungen haben, sich über ihre Gefühle auszutauschen, können sich eventuell voneinander zurückziehen oder die Situation unterschiedlich bewerten. Bei einem besonders schweren, rasch fortschreitenden Krankheitsverlauf stellen sich in der Partnerschaft beispielsweise andere Probleme, als nach einer frühzeitig gestellten Diagnose mit Aussichten auf eine Heilung. [1]

Mit Kindern über die Erkrankung zu sprechen, erfordert viel Fingerspitzengefühl. Denn man möchte die richtigen Worte finden und seine Kinder vor emotionalen Belastungen schützen. Gespräche können dazu beitragen, dass Kinder die Situation besser verarbeiten, wenn sie wissen, was in ihrer Umgebung geschieht. Professionelle Unterstützung im Umgang mit Ihren Kindern können Sie bei einen Fachmann (Kinder- und Jugendpsychologen, Psychoonkologen) bekommen. [2]

Miteinander reden und verstehen

Miteinander reden und verstehenDie Krebserkrankung kann in Ihnen eine ganze Reihe an Gefühlen hervorrufen, zu denen Angst, Hilflosigkeit, Verzweiflung und Wut zählen können. Auch Ihr Partner erlebt möglicherweise diese Gefühle. Deshalb kann es von Vorteil sein, wenn Sie mit ihm darüber sprechen, um sich gegenseitig zu unterstützen oder Missverständnissen vorzubeugen.

Möglicherweise gehen Sie und Ihr Partner sehr unterschiedlich mit der Situation um. Während Sie über Ihre Gefühle reden möchten, geht er einem Gespräch lieber aus dem Weg – oder umgekehrt. Jeder Mensch hat im Leben eine Strategie im Umgang mit Krisensituationen und extremen Gefühlsschwankungen entwickelt, die für ihn die geeignetste zu sein scheint. Wichtig ist es also, für den Anderen Verständnis zu haben. [1]

In einer Partnerschaft kann es eigentlich nur einen Weg geben: die offene und ehrliche Aussprache. So kann man die jeweiligen Gefühle und Bedürfnisse des Partners erfahren und sich damit auseinandersetzen. Dazu gehört es aber auch, Phasen, in denen jeder seine Gefühle und Gedanken ganz mit sich alleine ausmachen möchte, gegenseitig zu respektieren.

Aufeinander zugehen – sich zurückziehen

Kurz nach der Diagnose kann der Schock besonders groß sein und man braucht einen Gesprächspartner, mit dem man über die Situation reden kann. Wenn man nach einer Therapie allmählich wieder zu einer Alltagsroutine gefunden hat, wird das Bedürfnis nach Gesprächen über die Krankheit eventuell nachlassen.

Es kann vorteilhaft sein, sich bewusst zu machen, dass es immer ein Auf und Ab geben kann, und zu lernen damit umzugehen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie in Ihrer Partnerschaft professionelle Hilfe benötigen, können Sie sich zur Unterstützung an Fachleute wie z. B. Psychoonkologen wenden. [1]

Intimität auch bei körperlichen Veränderungen

Zur vertrauensvollen Kommunikation in einer Partnerschaft zählt auch der Umgang mit Intimität und Sexualität. Je nach Krebserkrankung und Therapie, aber auch persönlichen Bedürfnissen und Veränderungen des Körpers z. B. infolge einer Operation, können Intimität und Sexualität unterschiedliche Bedeutung bekommen.

Bei Frauen, denen ihm Rahmen einer Brustkrebserkrankung eine Brust abgenommen wurde, kann die gesamte körperliche Wahrnehmung und somit auch das Lustempfinden verändert sein. Um emotionale Unterstützung zu geben, kann der Partner seiner Frau signalisieren, dass er sie auch mit dieser körperlichen Veränderung liebt und weiterhin Zärtlichkeit und Intimität erleben möchte. Die Partnerin eines an Prostatakrebs erkrankten Mannes kann ihm deutlich machen, dass sie mit ihm gemeinsam einen Weg zu einer neuen Sexualität finden möchte.

Es gibt zahlreiche Bücher oder Ratgeber, die zu Intimität und Sexualität im Rahmen einer Krebserkrankung nützliche Hinweise geben. Sie können diesbezüglich auch Fachleute wie z. B. Psychoonkologen um Rat bitten. Wenn beide Partner über ihre Gefühle, Bedürfnisse und Erwartungen bezüglich Intimität und Sexualität offen miteinander sprechen, können eventuelle Unterschiede geklärt oder Missverständnisse verhindert werden. [1]

Eine stabile Partnerschaft kann Belastungsproben überstehen

Jedes Paar kann seine ganz persönlichen Möglichkeiten zur Bewältigung der Krebserkrankung entwickeln. In manchen Beziehungen kann die Erinnerung an schöne gemeinsame Zeiten vor der Krankheit tröstlich sein. Für andere Paare ist es möglicherweise hilfreicher, wenn sie eine gemeinsame Zukunft vor Augen haben, an einer Neuorientierung der Beziehung arbeiten oder ihre Rollenverteilung innerhalb der Partnerschaft neu definieren. [1]

Kinder haben ein feines Gespür für die familiäre Situation

Kinder haben ein feines Gespür für die familiäre SituationAn Krebs erkrankte Eltern möchten, dass ihre Kinder die Erkrankung und die daraus entstehenden Veränderungen gut überstehen. Es ergeben sich viele Fragen auch im Hinblick darauf, wie weit Kinder mit dem Thema Krebs und Tod umgehen können. Dabei haben Kinder durchaus die Fähigkeit, mit den Tatsachen umzugehen. Selbst traurige Nachrichten sind besser als Unsicherheit darüber, was eigentlich in ihrer Umgebung geschieht.

Die Krankheit zu verschweigen, kann dazu führen, dass jüngere Schulkinder glauben, dass die Situation so schrecklich und ausweglos ist, dass es keinerlei Hilfe gibt. Oder sie geben sich selbst die Schuld an der verschwiegenen Krankheit. Sie haben eventuell die absurdesten Vorstellungen, was der Auslöser für den Krebs gewesen sein könnte. Beispielsweise: „Ich war ungehorsam, als Papa sagte, ich soll endlich aufräumen, dann ist er krank geworden. Vielleicht bin ich schuld an seiner Krankheit." Oder sie ziehen falsche Schlüsse aus bisherigen Erfahrungen mit Krankheiten, weil sie die Hintergründe nicht verstehen, zum Beispiel: „Großmutter ist im Krankenhaus gestorben. Jetzt ist Mama im Krankenhaus. Sie wird auch sterben." [2]

Oft empfinden es Kinder als Vertrauensbruch oder haben das Gefühl, dass sie aus der Familie ausgeschlossen bzw. nicht wichtig genug für ihre Eltern sind, wenn sie nicht von ihren Eltern, sondern von anderen Personen über die Krankheit informiert werden. [2]

Kinder verschiedener Altersstufen reagieren unterschiedlich

Mit allen Kindern, selbst mit den jüngsten, kann und sollte man über die Erkrankung sprechen. Kleinkinder und Vorschulkinder reagieren auf die Sorgen und Spannungen in der Familie intuitiv. Sie spüren, dass etwas anders ist als sonst, und sind deswegen besonders auf intensive Zuwendung angewiesen. [2] Wenn Sie unsicher sind, wie Sie mit Ihren Kindern umgehen sollen, fragen Sie einen Fachmann um Rat (siehe unten).

Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren legen sich oft, wie bereits erwähnt, eigene Erklärungsversuche zurecht, oder zeigen körperliche oder psychische Reaktionen, wenn sie nicht informiert und aufgeklärt werden. Verhaltensweisen, die auf eine Belastungsreaktion hinweisen, können Rückzug aus dem sozialen Umfeld, häufiges Weinen, Schlafprobleme, Einnässen, häufiges Krankwerden oder Konzentrationsstörungen sein. Natürlich muss nicht jedes auffällige Verhalten mit der Krebserkrankung der Eltern zusammenhängen, deshalb sollte man andere Gründe nicht von vornherein ausschließen. [2]

Jugendliche ab dreizehn Jahren und junge Erwachsene befinden sich in der Ablösungsphase von den Eltern. Sie können sich schuldig fühlen, wenn sie sich mit den Eltern streiten oder andere Ansichten haben. Manche glauben, sie hätten in dieser Ausnahmesituation der Familie eigentlich kein Recht auf ein normales Teenager-Leben. Eltern sollten deshalb, trotz aller familiären Probleme infolge der Krebserkrankung, den Weg ihrer Kinder in die Eigenständigkeit zulassen. Auch die Angst der Kinder vor einer eigenen Erkrankung sollte man ernst nehmen und über die möglicherweise erblichen Faktoren der Krebserkrankung sprechen. [2]

Professionelle Unterstützung kann Familien entlasten

Wenn Sie für sich und Ihre Angehörigen Unterstützung im Umgang mit der Krebserkrankung benötigen dann können Sie sich professionelle Hilfe suchen. Sie können sich hierfür beispielsweise an Ihren Arzt, einen Psychotherapeuten, einen Seelsorger, an Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen wenden.

Quellen: 

[1] http://www.cancer.net/patient/Coping/Relationships+and+Cancer/Family+Life (zuletzt besucht am 16.01.2017) [2] Tanja Diamantidis. Den Krebs bewältigen und einfach wieder leben. 2. Aufl. Trias Stuttgart 2010