Nierenzellkarzinom: Mit der Erkrankung leben

Nierenzellkarzinom: Mit der Erkrankung lebenDie Diagnose Nierenzellkarzinom wirft viele Fragen auf. Auch, wie das Leben mit der Erkrankung weitergeht. Jeder Patient wird seinen eigenen Weg finden, mit dieser Situation umzugehen.

Die Diagnose Nierenzellkarzinom verändert das Leben der meisten Patienten. Insbesondere die ersten Wochen und Monate sind für Sie und ihre Angehörigen oft schwer und wahrscheinlich fühlen Sie sich mit der Situation überfordert. Deshalb ist es wichtig, einen Schritt nach dem anderen anzugehen und Prioritäten zu setzen. Ganz oben auf der Liste sollte eine umfassende Aufklärung durch Ihren behandelnden Arzt stehen. Daneben gibt es einiges, was Ihnen in der ersten Zeit helfen kann.

Die Hilflosigkeit überwinden

Nach einer Krebsdiagnose entstehen häufig Unsicherheiten, z. B. über den Verlauf der Erkrankung oder über persönliche und wirtschaftliche Folgen. Um mit dieser Situation und dem Gefühl der Hilflosigkeit besser zurecht zu kommen, kann eine professionelle Unterstützung sehr hilfreich sein. Gute Ansprechpartner sind Personen, die darin geschult sind, Menschen in dieser Situation zur Seite zu stehen. Allen voran sind dies natürlich Ihr behandelnder Arzt und Psychoonkologen. Psychoonkologen sind Ärzte, die darauf spezialisiert sind, Krebspatienten und ihre Angehörigen bei der Bewältigung der veränderten Lebenssituation zu unterstützen.

Auch Selbsthilfeorganisationen wie www.lh-nierenkrebs.org können sehr hilfreich sein. Dort haben Sie die Möglichkeit, sich mit Menschen austauschen, die vielleicht in einer ähnlichen Situation wie Sie sind oder waren.

Gute und ausreichende Information kann Sicherheit geben

Fast jeder Krebspatient reagiert auf seine Diagnose zunächst mit Angst. Das ist ganz normal, denn der Tumor stellt eine ernsthafte Bedrohung dar. Die Unsicherheit verstärkt sich, wenn die Information unzureichend oder unklar ist. Denn je mehr man über seine Krankheit weiß, desto weniger fühlt man sich ihr ausgeliefert. Fragen Sie deshalb bei Ihrem Arzt nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Scheuen Sie sich auch nicht, so lange nachzufragen, bis Ihnen alles klar ist.

Selbst aktiv zu werden kann stärken und aufrichten. Wenn Sie neben der Aufklärung durch Ihren Arzt noch weitere Informationen sammeln, achten Sie dabei auf seriöse Quellen. Einige empfehlenswerte Möglichkeiten zur Information finden Sie unter www.krebshilfe.de, www.krebsinformationsdienst.de, www.lh-nierenkrebs.org.

Ist ein normales Leben mit der Erkrankung möglich?

Nach dem Schock der Diagnose und einer anschließender Operation, geht es vor allem darum, wie Sie die Erkrankung in den Alltag integrieren können. Auch wenn es zu Beginn vielleicht undenkbar erscheint, kann sich im Lauf der Zeit eine Art Routine in Ihrem Leben mit der Erkrankung entwickeln.

Nach einer Entfernung der Niere oder einer Teilentfernung ist meist ein ganz normales Leben möglich. Denn die zweite Niere und die verbliebene gesunde „Restniere" können in der Regel alle Stoffe, die aus dem Körper entsorgt werden müssen, ausscheiden. Somit ist meist keine Blutwäsche (Dialyse) nötig. [4]

Wenn nur noch eine funktionstüchtige Niere erhalten ist, gibt es Empfehlungen, wie die Funktion der verliebenden Niere unterstützt werden kann. Neben einer gesunden Ernährung ist vor allem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Es werden gut zwei Liter Trinkmenge pro Tag empfohlen bzw. so viel, dass etwa eine Urinmenge von 1,5 Litern pro Tag ausgeschieden wird. Gleiches gilt auch für eine Teilentfernung der Niere. In der Regel muss keine besondere Diät eingehalten werden. Es ist aber allgemein empfehlenswert, sich vitamin- und mineralstoffreich zu ernähren und auf eine ausreichende Ballaststoffaufnahme zu achten. [2]

Was Sie selbst tun können

Falls Sie Medikamente verordnet bekommen, ist es wichtig, diese genau nach Anweisung Ihres Arztes einzunehmen – auch, wenn Sie vielleicht keine Beschwerden haben. Denn nur so kann die Therapie richtig wirken und die Erkrankung bekämpfen.

Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie zusätzlich zu den Medikamenten gegen das Nierenzellkarzinom andere Medikamente einnehmen. Er kann Ihnen sagen, ob möglicherweise Wechselwirkungen zu erwarten sind, und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit am besten umgehen.

Seit Sie die Diagnose Nierenzellkarzinom erhalten haben, stürzen vermutlich mehr Informationen auf Sie ein, als Sie verarbeiten können. Das ist in dieser außergewöhnlichen Lebenssituation völlig normal. Scheuen Sie sich daher nicht, Ihren Arzt zu fragen, wenn Sie etwas wissen möchten oder nicht verstanden haben.

Es gibt viele gute Gründe, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu versuchen, ein weitgehend normales Leben zu führen: Sport und Bewegung fördern die allgemeine Gesundheit. Erfolgserlebnisse in Beruf und Privatleben stärken das Selbstvertrauen und helfen bei der Krankheitsbewältigung. [3]

Bewusste Entspannung kann Dauerstress lindern

Während der Behandlung erleben viele Krebspatienten ein Wechselbad der Gefühle. Auf die Zuversicht, durch die Operation geheilt zu werden, können Enttäuschung und Verzweiflung folgen, z. B. wenn die Erkrankung erneut auftritt. Diese Phasen können für Körper und Geist Dauerstress bedeuten.

Zur Minderung der Anspannung und Belastung haben sich Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Meditation bewährt. Sollten Ihre Ängste und Niedergeschlagenheit jedoch zu übermächtig werden, ist es empfehlenswert, die professionelle Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen. [1]

Das Leben kann an Intensität gewinnen

Jeder Patient muss seinen ganz persönlichen Weg finden, mit der Diagnose und der Krankheit Nierenzellkarzinom umzugehen. [1] Auch wenn der Schock zunächst groß ist, hat die Erkrankung nicht nur negative Seiten. Viele Patienten entdecken im Rahmen der Erkrankung zum ersten Mal ihre eigenen Bedürfnisse. Sie sprechen eventuell erstmals Probleme in der Partnerschaft oder in ihrem näheren Umfeld an, die sie vorher immer „verschoben" haben.

Die Krankheit kann ein ganz neues Licht auf die eigene Existenz werfen. Auch Dinge, die bisher selbstverständlich oder wichtig waren, können nach einer Operation nebensächlich werden und sich die Prioritäten verschieben. Oft wird das Leben intensiver erlebt als vor der Erkrankung und das „Hier und Jetzt" gewinnt an Bedeutung. [1]

Quellen: 

[1] Krebsberatung Berlin: Psychosoziale Beratungsstelle für Krebskranke und Angehörige Krebs e.V. http://www.krebsberatung-berlin.de/ (zuletzt besucht am 16.01.2017) [2] Die blauen Ratgeber Nr. 46, Ernährung bei Krebs. Patientenbroschüre der Deutschen Krebshilfe, 2015 [3] Die blauen Ratgeber Nr. 48, Sport und Bewegung bei Krebs. Patientenbroschüre der Deutschen Krebshilfe, 2016 [4] Die blauen Ratgeber Nr. 19, Nierenkrebs, Patientenbroschüre der Deutschen Krebshilfe, 2016