Pflege in der Onkologie – Wie man Hilfe bekommt

Als Krebspatient ist man nicht selten in verschiedenen Bereichen des Lebens eingeschränkt. Wer mit dieser Situation im Alltag alleine nicht zurechtkommt, bekommt Unterstützung. Denn auf Pflege besteht ein Anspruch.

Pflege in der Onkologie – Wie man Hilfe bekommtWenn Sie nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer Reha nach Hause zurückkehren, können Sie sich vielleicht nicht um alles so kümmern, wie Sie das gewohnt waren. Ihre körperliche oder psychische Verfassung schränkt Sie mehr oder weniger stark ein. Zur Unterstützung stehen Ihnen und Ihrer Familie viele Möglichkeiten zur Verfügung. So können etwa Ihr behandelnder Arzt oder qualifizierte Pflegedienste Ihre medizinische Versorgung zu Hause übernehmen. Apotheken und Sanitätshäuser liefern Ihnen Medikamente und Hilfsmittel frei Haus.

Damit Sie Ihren Alltag wieder möglichst selbstständig bewältigen, können Sie neben der medizinischen Versorgung auch eine Grundpflege in Anspruch nehmen. Dabei helfen Ihnen Pflegekräfte bei den Anforderungen des täglichen Lebens, was je nach Grad Ihrer Pflegebedürftigkeit etwa Körperpflege, An-und Ausziehen oder Hilfe beim Essen sein kann.

Wichtigste Anlaufstelle für Fragen zur Pflege ist Ihre Krankenversicherung. Sie ist in der Lage, die benötigte Pflege zu koordinieren. [1]

Brückenpflege für die Rückkehr nach Hause

Damit Sie nach der Klinik und der Rückkehr in Ihre eigenen vier Wände umfassend versorgt sind, wurde die so genannte Brücken- oder Überleitungspflege geschaffen. Viele größere Kliniken und auch Krebszentren bieten diese Form der Pflege in der Onkologie für schwer erkrankte Krebspatienten mittlerweile an.

Die Brückenpflege versteht sich als besonderer Krankenhausdienst und finanziert sich aus Fördermitteln und Spenden. Für Patienten und Angehörige entstehen dabei keine Kosten.

Entsprechend ausgebildetes Pflegepersonal betreut Sie in der Phase nach der Krankenhausentlassung und hilft durch gezielte Organisation zu einer Rückkehr in Ihr eigenes Zuhause. [1] Dabei werden beispielsweise

  • der Betreuungsumfang durch Beratungsgespräche mit Ihnen und Ihrer Familie geklärt
  • Möglichkeiten, Sie zu Hause umfassend zu versorgen, aufgezeigt
  • Maßnahmen wie etwa ein Hausnotrufsystem oder "Essen auf Rädern" organisiert
  • Hilfsmittel, die für Ihre Pflege nötig sind, besorgt
  • Erste Kontakte, etwa zu Sozialstationen und ambulanten Pflegediensten, hergestellt.

Pflege bei Krebs auf unbestimmte Dauer

Wenn absehbar ist, dass Sie längere Zeit oder auf Dauer pflegebedürftig sind, sollten Sie Leistungen aus der Sozialen Pflegeversicherung beantragen. Anspruch auf die Geld- oder Sachleistungen hat jeder Versicherte, der nach den Vorgaben des Pflegeversicherungsgesetzes pflegebedürftig ist.

Zuständig sind hierfür die Pflegekassen, die den gesetzlichen Krankenkassen angegliedert sind. Als gesetzlich Krankenversicherter ist man dort pflichtversichert. Privat Versicherte müssen eine private Pflegeversicherung abschließen. Aufgrund dessen hat jeder Krankenversicherte in Deutschland einen Anspruch auf Pflege.

Die Pflege in der Onkologie muss beantragt werden

Um Leistungen der Pflegekasse in Anspruch nehmen zu können, müssen Sie zunächst eine Pflegestufe beantragen. Den Antrag können Sie auch telefonisch bei Ihrer Krankenkasse stellen. Diese lässt Ihnen ein Formular zukommen, das Sie ausfüllen müssen. Wenn Sie wollen, können Sie die Hilfe eines Pflegeberaters in Anspruch nehmen. [2] Das sind in aller Regel Mitarbeiter der Pflegekassen, die Sie auf Wunsch auch bei Ihnen zu Hause beraten. Die Einstufung in eine Pflegestufe ergibt sich aus der Schwere der Pflegebedürftigkeit. Sie wird nach einem Pflegegutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) festgelegt. Nach deren Beurteilung richtet sich die Höhe der gewährten Leistungen. [3]

Die richtige Pflegestufe festlegen

Insgesamt gibt es drei Pflegestufen, die sich nach der jeweiligen Pflegebedürftigkeit richten:

  • Pflegestufe I – erheblich pflegebedürftig
  • Pflegestufe II – schwer pflegebedürftig
  • Pflegestufe III – schwerst pflegebedürftig

Der MDK beurteilt, inwieweit Sie in der Lage sind, bestimmte Tätigkeiten in Ihrem Alltag auszuüben. Dementsprechend bekommen Sie Geld- oder Sachleistungen in unterschiedlicher Höhe für häusliche Pflege bewilligt. Ist die Pflege bei Ihnen zu Hause nicht möglich, übernimmt die Soziale Pflegeversicherung die Kosten für eine vollstationäre Pflege. Auch hier hängt der Beitrag von der Einstufung ab. [3] Bei außergewöhnlich hohem Pflegeaufwand, der das übliche Maß der Pflegestufe III weit übersteigt, kann eine Härtefallregelung in Anspruch genommen werden.

Aufwand der Pflege bei Krebs kann sich ändern

Wenn sich der Pflegeaufwand im Laufe der Zeit erhöht, kann die Einstufung in eine höhere Pflegestufe erfolgen. Dafür muss erneut ein Antrag bei den Pflegekassen gestellt werden. Es erfolgt dann auch eine neue Begutachtung des MDK bei Ihnen zu Hause. [4]

Leistungen für Pflege in der Onkologie bei starker Einschränkung

Neben Leistungen aus der Pflegeversicherung können auch zweckgebundene Pflegesachleistungen in Anspruch genommen werden. Sie werden oft als zusätzliche, sonstige oder niedrigschwellige Betreuungsleistungen bezeichnet (nach § 45 SGB XI).

Diese zusätzlichen Leistungen stehen Ihnen aber nur dann zu, wenn Sie einen erheblichen Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung haben, z. B. wenn Sie Ihren Tagesablauf nicht mehr eigenständig planen oder strukturieren können. Abhängig von der Schwere der Fähigkeitsstörungen erhalten Sie dann bis zu 200,- € monatlich. Erfüllen Sie die hierfür festgelegten Voraussetzungen, können Sie einen Anspruch auf diese Pflegesachleistungen geltend machen – unabhängig von der Bescheinigung einer Pflegestufe. [5]

Die Pflegesachleistungen beziehen sich auf die Grundpflege. Mit diesem Begriff sind grundlegende, gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Pflegeleistungen gemeint. [6] Dazu gehören bei der häuslichen Pflege

  • Körperpflege, z. B. Waschen, Duschen, Zahnpflege, Kämmen
  • Ernährung, z. B. das mundgerechte Zubereiten der Nahrung
  • Mobilität, z. B. Gehen, Stehen, Treppensteigen

Die hauswirtschaftliche Versorgung wie etwa Kochen, Putzen, Wäsche waschen oder Heizen gehört nicht zur Grundpflege, ist aber ebenfalls gesetzlich geregelt und wird im Rahmen des Bezugs von Pflegesachleistungen von einem ambulanten Pflegedienst erbracht. Auch hierfür ist die Pflegekasse zuständig. Selbstverständlich kann die Versorgung auch von Ihren Angehörigen übernommen werden. Ebenso ist eine Kombinationsleistung ist möglich. [7]

Wie erhalten Sie für die Pflege bei Krebs häusliche Hilfe

Unter häuslicher Pflege versteht man die Leistungen der Pflegekasse, die Sie in dem Haushalt bekommen, in dem Sie leben. Das können Ihre eigenen vier Wände sein oder auch eine Alternative dazu - wie etwa Betreutes Wohnen. Wird die erforderliche Pflege durch Angehörige geleistet, zahlt die Pflegekasse Ihnen Pflegegeld. Dieses ist grundsätzlich steuerfrei. Wird die häusliche Pflege ganz oder teilweise von ambulanten Diensten oder Sozialstationen übernommen, zahlt die Pflegekasse die entsprechenden Sachleistungen. Zudem gibt es noch die Möglichkeit, Geld- und Sachleistungen zu kombinieren. [8]

Um von der Pflegekasse Leistungen in Anspruch zu nehmen, müssen verschiedene Voraussetzungen vorliegen: [9]

  • Es dürfen keine Entschädigungsleistungen der gesetzlichen Unfallversicherung vorliegen.
  • Die häusliche Krankenpflege der gesetzlichen Krankenversicherung darf nicht greifen.
  • Die Pflege muss im häuslichen Bereich erfolgen.
  • Grundsätzlich muss die Vorversicherungszeit erfüllt sein und eine Pflegebedürftigkeit vorliegen.
  • Für die Pflegeleistung muss bei der Pflegekasse ein Antrag gestellt werden.

Mehr Informationen erhalten Sie bei Ihrer Krankenkasse, beim Kliniksozialdient, bei den regionalen Pflegestützpunkten oder bei Ihrer Pflegekasse.

Quellen: 

[1] Deutsches Krebsforschungszentrum, http://www.krebsinformation.de/leben/pflege/krankenpflege-adressen.php (zuletzt besucht am 16.01.2017) [2] Bundesministerium für Gesundheit, http://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/beratung-im-pflegefall.html (zuletzt besucht am 16.01.2017) [3] Deutsche Krebshilfe e.V.: Wegweiser zu Sozialleistungen – Die blauen Ratgeber – Nr. 40, Stand 10 / 2016 https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/040_0106.pdf (zuletzt besucht am 16.01.2017) [4] Beratungsportal Curendo.de – Ihre Hilfe beim Helfen, https://www.curendo.de/pflege/pflegegeldantrag-so-funktioniert-es/ (zuletzt besucht am 16.01.2017) [5] Pflege ABC – Zusätzliche Betreuungsleistungen bei eingeschränkter Alltagskompetenz, http://www.pflege-abc.info/pflege-abc/artikel/zusaetzliche_betreuungsleistungen.html (zuletzt besucht am 16.01.2017) [6] Bundesministerium für Gesundheit, http://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/g/grundpflege.html (zuletzt besucht am 16.01.2017) [7] Pflege ABC – Hauswirtschaftliche Versorgung, http://www.pflege-abc.info/pflege-abc/artikel/haeusliche_versorgung.html (zuletzt besucht am 16.01.2017) [8] Soziale Informationen 2016, Patientenbroschüre der Frauenselbsthilfe nach Krebs, Bundesverband e.V., 39. überarbeitete Auflage, Stand Januar 2016. [9] Pflege ABC – Pflegegeld, http://www.pflege-abc.info/pflege-abc/kategorie/p/artikel/pflegegeld.html (zuletzt besucht am 16.01.2017)