Leben nach der Operation: Braucht der Mensch zwei Nieren?

Bei Nierenzellkrebs wird die befallene Niere meist teilweise oder vollständig entfernt. Für die Lebensqualität nach dieser Operation ist entscheidend, wie gut das verbliebene Nierengewebe arbeitet.

Bei Patienten, die unter einem lokal begrenzten Nierenzellkrebs (Nierenzellkarzinom) leiden, ist die Operation in den meisten Fällen Therapie der ersten Wahl. Je nachdem in welchem Stadium sich die Krankheit befindet, wird die betroffene Niere vollständig entfernt (radikale Nephrektomie) oder der behandelnde Arzt schneidet nur die Geschwulst heraus. Der restliche, gesunde Teil der Niere bleibt dann erhalten (partielle Nephrektomie). [1]

Danach hängt es von der verbliebenen Nierenleistung ab, ob der Patient ein fast normales Leben führen kann oder regelmäßig zur Blutwäsche (Dialyse) gehen muss.

Warum hat der Mensch zwei Nieren?

Eine der wichtigsten Funktionen der Nieren ist die Harnausscheidung. Mit dem Harn werden auch sogenannte harnpflichtige Substanzen ausgeschieden. Diese Substanzen sind Abfallstoffe des Stoffwechsels. Daneben werden überschüssiges Wasser, Salze und auch körperfremde Stoffe wie manche Medikamente ausgeschieden. [2, 9, 10]

Wichtige Nierenfunktionen

Abb. 1: Wichtige Nierenfunktionen

Neben dieser regelmäßigen Entgiftung des Körpers haben die Nieren weitere wichtige Funktionen (siehe Abb. 1) [2, 3, 6]. Beispielsweise produzieren sie Hormone, wie z. B. das Erythropoetin, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Durch verschiedene Mechanismen sind die Nieren außerdem an der Regulation des Blutdrucks beteiligt.

Wenn eine Niere versagt oder operativ entfernt wird, kann die andere, gesunde Niere deren Funktion übernehmen. Mit der zweiten Niere hat die Natur damit sozusagen eine „Reserve“ angelegt. Wenn die verbleibende Niere jedoch nicht oder nur eingeschränkt funktioniert, können die beschriebenen Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllt werden. Eine verringerte Nierenleistung einer oder beider Nieren wird als Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) bezeichnet. [10]

Leben mit nur einer Niere

Bei größeren oder ungünstig gelegenen Tumoren kann es erforderlich sein, dass die betroffene Niere vollständig entfernt wird [1]. Dann übernimmt die verbleibende Niere die Aufgaben des entfernten Organs [2]. Die Patienten sind somit nicht in ihrer Lebensqualität eingeschränkt, vorausgesetzt, die zweite Niere ist voll funktionsfähig [2].

Patienten, denen eine Niere wegen eines Tumors entfernt wurde, können daher in der Regel ein ganz normales Leben führen. Es bestehen z. B. keine Einschränkungen im Hinblick auf Ernährung, Sport oder Beruf. Eine regelmäßige medizinische Reinigung des Blutes von Giftstoffen (Blutwäsche, Dialyse) ist auch nicht notwendig, sofern die verbliebene Niere ganz gesund ist und alle Schadstoffe ausscheiden kann. [2, 7]

Die Gefahr, dass die zweite Niere infolge einer schweren Verletzung oder einer Erkrankung ausfällt, ist gering. Dabei kann das Risiko durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen weiter reduziert werden. [7]

Wann braucht man eine Dialyse?

Bei einigen Patienten kann es jedoch vorkommen, dass die Funktion der verbliebenen Niere eingeschränkt ist. Wenn die Nierenleistung abnimmt, können die Betroffenen dadurch verschiedene Beschwerden haben, z. B.:

  • Unwohlsein wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen
  • Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Herzschwäche
  • Blutarmut (Anämie)
  • Schädigung der Knochen

Falls die Einschränkung der Nierenfunktion lebensbedrohlich wird, müssen sich die Patienten regelmäßig einer Dialyse unterziehen. Es gibt verschiedene Dialyseverfahren. Am häufigsten kommt die Hämodialyse zum Einsatz, bei der die Betroffenen mehrmals wöchentlich etwa 4 bis 5 Stunden an das Dialysegerät angeschlossen werden. Wie lange die Reinigung des Blutes genau dauert und wie häufig die Blutwäsche durchgeführt werden muss, unterscheidet sich von Patient zu Patient und hängt von seiner Körpergröße ab und davon, wie gut seine Nieren noch funktionieren.

Die Lebensqualität von Dialyse-Patienten ist individuell sehr unterschiedlich, wobei viele ein kaum eingeschränktes Leben führen können. [4]

Teilentfernung erhält die Nierenfunktion

Moderne Operationstechniken sowie neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben dazu geführt, dass Patienten mit Nierenzellkrebs in den letzten Jahren zunehmend organerhaltend operiert werden können. Das bedeutet, dass nicht die komplette Niere entfernt werden muss, sondern nur der Teil, in dem sich die Geschwulst befindet. Dabei bleibt die Funktion der operierten Niere weitgehend erhalten. [2, 3]

Eine solche Teilentfernung ist vor allem bei kleineren Tumoren mittlerweile ein akzeptiertes Verfahren, und es wird von gleichen Heilungschancen ausgegangen wie bei einer kompletten Entfernung der Niere. Eine organerhaltende Operation wird insbesondere bei den Patienten angestrebt, die nur noch eine Niere haben. Sie ist auch vorteilhaft für Patienten, bei denen die zweite Niere nicht richtig arbeitet, oder deren Risiko höher ist, dass die gesunde Niere irgendwann geschädigt wird, z. B. wegen eines Bluthochdrucks oder Diabetes. [2, 3, 5]

Eine Teilentfernung der erkrankten Niere kann also das Risiko vermindern, dass der Patient irgendwann eine regelmäßige Dialyse benötigt, falls auch die Leistung der zweiten Niere nachlässt. Derartige Eingriffe sollten jedoch immer von Zentren durchgeführt werden, die Erfahrung mit dieser Operationstechnik haben. [2, 3]

Regelmäßige Kontrollen helfen, die Nierenfunktion zu erhalten

Je nachdem wie gut die Nierenfunktion des Patienten nach der Operation ist, kann es sinnvoll sein, dass die Funktionsfähigkeit der Nieren regelmäßig von einem Facharzt für Nierenkrankheiten (Nephrologen) kontrolliert wird. Er kann ein drohendes Nierenversagen rechtzeitig erkennen und entsprechend behandeln. Ziel dabei ist es, möglichst langfristig eine ausreichende Nierenfunktion zu erhalten und so zu vermeiden, dass der Patient eine regelmäßige Dialyse benötigt. [8]

Was bedeutet das für den Patienten im Alltag?

Patienten, denen eine Niere wegen eines Tumors teilweise oder vollständig entfernt wurde, sollten darauf achten, ihre Nierenfunktion zu unterstützen und den Körperstoffwechsel allgemein aktiv und gesund zu erhalten. Hierzu gibt es von Experten einige generelle Empfehlungen: [8, 9]

  • Ausreichend trinken. Empfehlenswert sind Mineralwasser, Leitungswasser oder Tees. Die getrunkene Menge ist ausreichend, wenn der Urin klar und hell ist und nicht intensiv riecht. Als Faustregel gilt: 2 bis 3 l pro Tag, wenn der Arzt nichts anderes verordnet. Bei hoher Außentemperatur, körperlicher Anstrengung oder Fieber ist der Flüssigkeitsbedarf erhöht.
  • Auf die Ernährung achten. Empfohlen wird eine salz- bzw. natriumarme, gesunde Ernährung mit Gemüse, Obst und Vollkornprodukten, aber wenig Fleisch.
  • Ausreichend bewegen. Sinnvoll ist eine auf den Gesundheitszustand des Patienten individuell abgestimmte sportliche Tätigkeit. Als Ausdauertraining geeignet sind z. B. Walking, Schwimmen oder Radfahren (2 bis 4 Stunden/Woche auf mehrere Trainingseinheiten verteilt).
  • Vorsicht ist geboten bei Nahrungsmitteln mit viel Cholesterin und gesättigten Fettsäuren, bei extrem eiweißreicher oder -armer Kost, bei salzhaltigem Essen und beim Genuss von Alkohol und Nikotin.
Quellen: 

[1] Deutsche Krebsgesellschaft (DGK). Nierenkrebs – Therapie. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/nierenkrebs/therapie.html (zuletzt besucht am 16.01.2017) [2] Das Lebenshaus e. V. Patientenratgeber Nierenkrebs (Stand: 2008). [3] Das Lebenshaus e. V. Basisbroschüre: Diagnose Nierenkrebs! (Stand: 2011). [4] Internisten im Netz. Nierenersatz: Dialyse, http://www.internisten-im-netz.de/de_dialyse_807.html (zuletzt besucht am 16.01.2017) [5] Universitätsklinikum Ulm. Nierenzellkarzinom, http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/zentren/cccu/home/fuer-patienten-und-angehoerige/krebsbehandlung/krebs-spezifisch/nierenzellkarzinom.html#c51648 (zuletzt besucht am 16.01.2017) [6] Dialysepatienten Deutschland e.V. Nierenversagen – Ratgeber für Nierenkranke und Angehörige, 3. Auflage, März 2001 [7] Website des Klinikums der Universität München: Chirurgische Klinik und Poliklinik – Transplantationszentrum, http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Transplantationszentrum/de/patienten/nierentransplantation/index.html (zuletzt besucht am 16.01.2017) [8] Das Lebenshaus e. V. Broschüre: Diagnose Nierenkrebs: Nachsorge (Stand: August 2012). [9] Deutsche Krebshilfe e. V. Die blauen Ratgeber: Nierenkrebs (Stand: 01/2016). https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/019_0016.pdf (zuletzt besucht am 16.01.2017) [10] Fachartikel zum Thema Niereninsuffizienz = Nierenschwäche, http://www.biowellmed.de/fachartikel-952.html (zuletzt besucht am 16.01.2017)

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