Nierenzellkarzinom − Möglichkeiten der Diagnose

Nierenzellkarzinom − Möglichkeiten der DiagnoseNierenzellkarzinome werden häufig zufällig bei Untersuchungen entdeckt, die aus einem anderen Grund durchgeführt wurden. Um die Diagnose zu sichern, gibt es verschiedenen Möglichkeiten.

Mit bloßem Auge erkennbare Aus­scheidung von Blut im Urin, Schmerzen in der seitlichen Bauch­region oder eine tastbare Geschwulst (Tumor) können Krankheitszeichen bei einem Nierenzellkarzinom sein [1]. Hinzu können allgemeine Symptome wie Gewichtsverlust, Fieber, mangelnde Leistungsfähigkeit und nächtliche Schweißausbrüche kommen [1]. Doch all diese Symptome entwickeln sich meist erst spät im Verlauf der Erkrankung. Viele Patienten können daher zum Zeitpunkt der Diagnose keine Beschwerden angeben.

Häufig wird die Geschwulst bei Ultraschall-Untersuchungen des Bauchraumes entdeckt, die im Rahmen einer Routineuntersuchung oder aufgrund anderer Beschwerden durchgeführt wurde. Ob es sich bei dem verdächtigen Tumor um ein Nierenzellkarzinom handelt, muss dann in weiterführenden Untersuchungen überprüft werden.

Körperliche Untersuchung und Blutwerte als Anhaltspunkt

Zunächst wird der Arzt die Krankheitsgeschichte (Anamnese) des Patienten erfragen. Hierzu gehören z. B. Angaben zu bestehenden oder früheren Beschwerden und Erkrankungen, zu Erkrankungen in der Familie und zu den Lebensumständen des Patienten. Er wird auch speziell nach Symptomen fragen, die auf ein Nierenzellkarzinom hinweisen könnten. Besteht nach der Anamnese der Verdacht, dass möglicherweise ein Nierenkrebs vorliegt, sollten weitere Untersuchungen erfolgen. Hierzu gehört eine körperliche Untersuchung, bei der sich ebenfalls Hinweise auf ein Nierenzellkarzinom ergeben können, z. B. eine tastbare Geschwulst in Flanke oder Bauch, vergrößerte Lymphknoten oder Schwellungen der Beine. [2]

Auch eine Untersuchung der Blutwerte kann Hinweise auf das Vorliegen eines Nierenzellkarzinoms geben. So können die Kalziumwerte ebenso erhöht sein wie die Konzentrationen bestimmter Enzyme und Hormone. Spezielle Tumormarker – körpereigene Substanzen, die man entweder im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten nachweisen kann und deren Konzentration bei bestimmten Tumorerkrankungen ansteigt – sind für das Nierenzellkarzinom bisher aber noch nicht belegt.

Bildgebende Verfahren ermöglichen genaue Beurteilung

Ein wichtiger Untersuchungsschritt zum Nachweis von Nierenkrebs ist die Ultraschalluntersuchung (Sonografie). Bei der Sonografie sendet eine Sonde Ultraschallwellen aus, die durch verschiedene Gewebeschichten unterschiedlich stark reflektiert werden. Diese Signale können im Ultraschallgerät aufgefangen und zu einem Bild verarbeitet werden. Mit einem besonderen Verfahren der Sonografie, der sogenannten Dopplersonografie lassen sich Gefäße und Durchblutung darstellen, Dies spielt eine wichtige Rolle für die Beurteilung des Tumors und seine Ausbreitung im Körper [2, 3].

Zur weiterführenden Diagnose und genaueren Beurteilung des Nierenzellkarzinoms können folgende bildgebende Verfahren eingesetzt werden (siehe auch Tab. 1):

  • Computertomografie (CT): Hierbei werden verschiedene Körperschichten mit Röntgenstrahlen aufgenommen und im Computer zu einem Bild zusammengestellt. Dabei werden Aufnahmen gemacht bevor und nachdem ein Kontrastmittel gespritzt wurde. Durch die CT-Untersuchung kann die Diagnose gesichert sowie die Ausdehnung des Tumors und das Stadium der Erkrankung beurteilt werden [2].
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Hierbei werden verschiedene Körperschichten mittels eines starken Magnetfeldes und elektromagnetischer Wellen aufgenommen und im Computer zu einem Bild zusammengestellt. Die MRT-Untersuchung besitzt bei Nierentumoren eine vergleichbare diagnostische Aussagekraft wie die CT-Untersuchung, hat aber den Vorteil, dass sie ohne Kontrastmittel angewendet werden kann [2, 3]. Zudem wird der Körper nicht durch Röntgenstrahlen belastet.

Es gibt außerdem noch eine Reihe weiterer Untersuchungen, die bei speziellen Fragestelllungen durchgeführt werden können. Hierzu gehören z. B.:

  • Die Ausscheidungsurografie, mit der die ableitenden Harnwege, also Nierenbecken, Harnleiter und Harnblase genauer untersucht werden können [3].
  • Die Angiografie: Mit diesem Verfahren kann der Arzt feststellen, in welcher Lage sich der Tumor im Verhältnis zu den Blutgefäßen befindet. Das ist z. B. für die Planung einer Operation wichtig.[3]
  • Die Skelettszintigrafie: Hiermit wird das Skelett auf das Vorliegen von Tochtergeschwülsten im Knochen (Knochenmetastasen) untersucht. Ob bereits Metastasen vorliegen oder nicht, spielt eine Rolle für die Therapieplanung.
Verfahren Prinzip Einsatzbereich bei Nierenzellkarzinom
Ultraschalluntersuchung (Sonografie) Verfahren zur Darstellung von Körperstrukturen mit Hilfe von Ultraschallwellen [4] Früherkennung von Nierentumoren
Computertomografie (CT) Computergestütztes Verfahren zur Darstellung verschiedener Körperschichten mittels Röntgenstrahlen [4] Weiterführende Beurteilung eines Nierentumors
Magnetresonanztomografie (MRT) Computergestütztes Verfahren zur Erstellung von Schnittbildern mittels Magnetfeld und elektromagnetischer
Wellen [4]
Weiterführende Beurteilung eines Nierentumors
Skelettszintigrafie Verfahren zur Darstellung der Knochenstruktur mittels radioaktiver Substanzen [4] Abklärung von Knochenmetastasen
Ausscheidungsurografie Verfahren zur Röntgendarstellung von Nieren, Harnleitern und Harnblase nach Injektion eines Kontrastmittels Darstellung der ableitenden Harnwege: Nierenbecken, Harnleiter – und Harnblase
Angiografie Verfahren zur Röntgendarstellung von Blutgefäßen nach Injektion eines Kontrastmittels Beurteilung der Lage des Tumors im Verhältnis zu Blutgefäßen

Tab. 1: Wichtige bildgebende Verfahren in der Diagnostik des Nierenzellkarzinoms

Wenn alle notwendigen Untersuchungen abgeschlossen sind, kann der Arzt mit dem Patienten gemeinsam entscheiden, welche Behandlungsmaßnahmen geeignet sind, und das weitere Vorgehen planen. Den endgültigen Beweis dafür, dass es sich bei dem Tumor um eine Nierenzellkarzinom handelt, kann nur eine Gewebeuntersuchung liefern, die von einem Facharzt für Krankheitslehre (Pathologe) meist im Anschluss an die Operation durchgeführt wird.

Quellen: 

[1] G. Jakse: Nierenzellkarzinom, in: Uroonkologie, H. Rübben (Hrsg.), Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007: 245−265. [2] J.E. Gschwend. Nierentumoren, in Urologie, R. Hautmann (Hrsg.), Springer Medizin Verlag Heidelberg 2010: 194−208. [3] C. Fischer, R. Oberneder: Nierenzellkarzinom, in: Kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien, Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.), W. Zuckschwerdt Verlag 2008: 103−112. [4] Praxishandbuch Medizin & Gesundheit: Wissen /Ratschläge /Selbsthilfe, David R. Goldmann (Hrsg.), Dorling Kindersley Verlag 2002: 1104 Seiten.