Nierenzellkarzinom − Krankheits- und Einteilungsmerkmale

Nierenzellkarzinom − Krankheits- und EinteilungsmerkmaleDa sich Nierenkrebs meist erst in späten Stadien bemerkbar macht, wird die Krankheit oft zufällig entdeckt. Um die optimale Therapie auswählen zu können, teilt der Arzt die Krankheit in verschiedene Stadien ein.

Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom) verursacht im Frühstadium, wenn die Geschwulst (Tumor) noch klein und begrenzt ist, selten Symptome. Daher wird die Krankheit oftmals nur per Zufall, beispielsweise bei einer Ultraschall-Untersuchung entdeckt. Im fortgeschrittenen Stadium breitet sich der Tumor auf das an die Nieren angrenzende Gewebe aus.

Folgende erkennbare Krankheitszeichen können im Zusammenhang mit Nierenzellkarzinom auftreten [1,2]:

  • Schmerzen im Flanken- oder Rückenbereich
  • Blut im Urin (rötliche bis braune Verfärbung)
  • tastbare Geschwulst im Bauchraum
  • Blutarmut (Anämie)
  • hoher Blutdruck
  • Schmerzen
  • allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Leistungsminderung, Fieber, nächtliches Schwitzen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust

Diese Beschwerden sind recht allgemein. Daher können dahinter auch harmlose Ursachen stecken. Dies sollte jedoch immer ein Arzt beurteilen.

Nierenkrebs kann in verschiedene Stadien eingeteilt werden

Um die geeignete Therapie auswählen zu können und auch um den weiteren Krankheitsverlauf abzuschätzen, ermittelt der Arzt vor Behandlungsbeginn das Stadium, in dem sich der Tumor befindet. Dazu untersucht er mit Hilfe von modernen diagnostischen Verfahren, z. B. Computer- oder Kernspintomografie, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat und ob bzw. wo und in welchem Ausmaß sich bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet haben.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen ermöglichen dann eine Einteilung des Tumors anhand der sogenannten TNM-Klassifikation:

  • T steht dabei für die Größe und Ausdehnung des Tumors,
  • N für die Anzahl der befallenen Lymphknoten in der Umgebung des Tumors,
  • M für das Auftreten von Metastasen (Tochtergeschwülsten), die sich beim Nierenzellkarzinom am häufigsten in Lunge, Knochen, Leber und Gehirn nachweisen lassen. [2, 3]


Nach der Operation wird der Nierenkrebs abschließend beurteilt

Nach der Operation des Tumors kann der Arzt das TNM-Stadium durch eine Untersuchung des Tumors endgültig festlegen. Hiermit ist die Beurteilung von zwei zusätzlichen Kriterien möglich, die für die weitere Behandlung wichtig sind [2]: In einer mikroskopischen Untersuchung des Tumorgewebes wird das Aussehen der Tumorzellen überprüft, was einen Hinweis auf die Bösartigkeit (Malignität) des Tumors geben kann. Außerdem überprüft ein Facharzt für Krankheitslehre (Pathologie) – ebenfalls unter dem Mikroskop –, ob die Geschwulst vollständig entfernt werden konnte oder ob noch ein Resttumor (Residualtumor) vorhanden ist.

Darüber hinaus kann der Arzt schon vor einer möglichen Operation eine Probeentnahme (Biopsie) durchführen, wenn diese die Therapiewahl beeinflussen könnte. Hat der Tumor bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet, sollte der Arzt zudem vor einer geplanten Entfernung der Niere oder vor einer Therapie mit Medikamenten eine Probe des erkrankten Gewebes entnehmen[4].

Quellen: 
[1] C. Fischer, R. Oberneder: Nierenzellkarzinom, in: Kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien, Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.), W. Zuckschwerdt Verlag 2008: 103−112. [2] Universitätsklinik Ulm. http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/zentren/cccu/home/fuer-patienten-und-angehoerige/krebsbehandlung/krebs-spezifisch/nierenzellkarzinom.html#c51648 (zuletzt besucht am 16.01.2017) [3] G. Jakse: Nierenzellkarzinom, in: Uroonkologie, H. Rübben (Hrsg.), Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007: 245−265. [4] Doehn C, et al.: The diagnosis, treatment and follow-up of renal cell carcinoma. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 590-96. DOI: 10.3238/arztebl.2016.0590

Autor: Stefan Oetzel