Nierenzellkarzinom − Krankheitsbild im Überblick

Das Nierenzellkarzinom wird oft zufällig entdeckt. Seine Ursachen sind bisher nicht geklärt, doch es gibt Risikofaktoren, die die Entstehung begünstigen können.

Insgesamt gesehen ist das Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs) eine eher seltene Tumorart, stellt jedoch – nach dem Prostata- und Blasenkarzinom – die dritthäufigste urologische Krebserkrankung dar [1]. Meist ist nur eine Niere von der Geschwulst (Tumor) betroffen, es können aber auch beide Nieren erkrankt sein [2]. Beim Nierenzellkarzinom geht die Tumorbildung von entarteten Zellen des Nierengewebes aus, im Unterschied zu z. B. Tumoren des Nierenbeckens, die sich zwar auch in der Niere befinden, aber von der Schleimhaut der Harnwege ausgehen.

Abb. 1: Das Harnwegssystem

Männer erkranken häufiger am Nierenzellkarzinom

Das Risiko, an Krebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter: Etwa 90 % der Erkrankungen treten bei Menschen ab 50 Jahren auf. [3]

Etwa 15.000 Menschen erkranken in Deutschland pro Jahr neu an Nierenkrebs und Männer sind fast doppelt so häufig betroffen wie Frauen (Daten für das Jahr 2013). [4, 5] Wenn die Krankheit diagnostiziert wird, sind Männer durchschnittlich 68 Jahre und Frauen 72 Jahre alt. [5] Die Erkrankung verursacht zu Beginn selten Beschwerden, rund 40 % der Befunde werden deshalb zufällig entdeckt, z. B. bei einer Ultraschall-Untersuchung aus anderem Grund [1, 2].

Das Nierenzellkarzinom kann sich über die Blutgefäße im Körper ausbreiten. Es gibt deshalb Patienten, bei denen sich zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in Lunge, Knochen, Leber oder Gehirn nachweisen lassen. Dank moderner diagnostischer Methoden wie z. B. Ultraschalluntersuchungen, Computer- oder Kernspintomografie, wird Nierenkrebs aber immer häufiger in einem frühen Stadium entdeckt, sodass der Arzt frühzeitig eine geeignete Therapie einleiten kann. Hierzu gehören die chirurgische (Teil-)Entfernung der Niere oder die Behandlung mit Medikamenten.

Risikofaktoren für das Nierenzellkarzinom

Die Ursachen für die Entstehung eines Nierenzellkarzinoms sind bisher nicht eindeutig geklärt [2]. Es gibt jedoch Umstände, die mit einem gehäuften Auftreten der Erkrankung in Verbindung gebracht werden. Zu diesen sogenannten Risikofaktoren gehören unter anderem:

  • Rauchen [1]
  • Übergewicht, vor allem bei Frauen [6]
  • hormonelle Einflüsse wie die Anzahl der Geburten oder das erste Auftreten der Regelblutung [6]
  • Umwelteinflüsse wie Gifte und Schadstoffe (z. B. Cadmium, Blei, petrochemische Substanzen, Teer, Asbest, Holzschutzmittel und bestimmte Röntgenkontrastmittel) [1]
  • hohes Alter
  • langjährige Behandlung mit Schmerzmitteln (Analgetika)

Zu den gesicherten Risikofaktoren für ein Nierenzellkarzinom gelten familiäre Veranlagung oder eine chronische Nierenschwäche ( Niereninsuffizienz ). Auch seltene erbliche Krankheiten wie die Hippel-Lindau'sche Krankheit oder die Tuberöse Sklerose, bei denen in unterschiedlichen Organen gut- oder bösartige Tumoren auftreten, können mit einem Nierenzellkarzinom in Verbindung gebracht werden. Ein erhöhtes Risiko für Nierenkrebs haben außerdem Patienten, die über viele Jahre hinweg eine Blutaustauschbehandlung (Dialyse) erhalten müssen. [6]

Quellen: 

[1] C. Fischer, R. Oberneder: Nierenzellkarzinom, in: Kurz gefasste interdisziplinäre Leitlinien, Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.), W. Zuckschwerdt Verlag 2008: 103−112. [2] Universitätsklinik Ulm. http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/zentren/cccu/home/fuer-patienten-und-angehoerige/krebsbehandlung/krebs-spezifisch/nierenzellkarzinom.html#c51648 (zuletzt besucht am 16.01.2017) [3] Krebsliga Schweiz: https://shop.krebsliga.ch/files/kls/webshop/PDFs/deutsch/nierenkrebs-011077012111.pdf (zuletzt besucht am 17.01.2017) [4] Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016. Robert Koch-Institut. Berlin, November 2016. [5] http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Nierenkrebs/nierenkrebs_node.html (Stand: 17.12.2015, zuletzt besucht am 16.01.2017) [6] G. Jakse: Nierenzellkarzinom, in: Uroonkologie, H. Rübben (Hrsg.), Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007: 245−265.